China will in den kommenden drei Jahren rund 60 Milliarden Dollar (51,7 Milliarden Euro) in die wirtschaftliche Entwicklung in Afrika investieren. Das kündigte Staatschef Xi Jinping beim China-Afrika-Forum in Peking an und versprach einen "Gewinn für alle Beteiligten". Im Paket, das Xis Regierung im Rahmen der sogenannten Neuen Seidenstraße realisieren will, sind auch 15 Milliarden Dollar als "Hilfen und zinslose Kredite" vorgesehen.

Die chinesische Führung investiert bereits seit vielen Jahren in Afrika und hat in dem Kontinent eine Quelle für dringend benötigte Rohstoffe gefunden. Zudem wächst die afrikanische Mittelschicht und schafft den Unternehmen aus Fernost neue Absatzmärkte. Mit einem Handelsvolumen von zuletzt 170 Milliarden US-Dollar (146,4 Milliarden Euro) hat China sowohl die USA als auch die frühere Kolonialmacht Frankreich als wichtigste Handelspartner des Kontinents übertroffen.

Staudämme, Kasernen und ein "New York von Afrika"

Quer durch Afrika beteiligt sich China an dem Betrieb von Regierungsgebäuden, Fußballstadien, Zugstrecken, Flughäfen, Kasernen und Raffinerien. In Sambia, Äthiopien, Gabun, Kamerun und Ghana sind mit chinesischer Hilfe Staudämme entstanden. Chinesische Investoren finanzieren sogar ganze Städte, wie Angolas fast neun Quadratkilometer große Nova Cidade do Kilamba. In Südafrika will die Shanghai Zendai Group mit rund acht Milliarden US-Dollar in der Nähe der Wirtschaftsmetropole Johannesburg ein "New York von Afrika" bauen, das innerhalb der kommenden 15 Jahre rund 200.000 Jobs schaffen soll.

Noch einmal deutlich zugenommen hat Pekings Interesse an Afrika, seit Staatschef Xi vor fünf Jahren den Bau der Neuen Seidenstraße eingeleitet hat, mit der neue Wirtschaftskorridore von China nach Südostasien, Europa und Afrika entstehen sollen. Damit einher gehen neue Militärkooperationen, mit denen China seine Wirtschaftsinteressen absichern will. Seit 2017 etwa betreibt das chinesische Militär seinen ersten ausländischen Marinestützpunkt in Dschibuti am Horn von Afrika. Nach Zahlen des Zentrums für strategische und internationale Studien (CSIS) gingen seit 2008 rund 21 Prozent aller chinesischen Waffenausfuhren weltweit nach Afrika.

"Der Handel ist einseitig"

Zuletzt dürfte sich die Regierung in Peking durch den Handelsstreit mit den USA und die Kritik aus Europa an ihrer Menschenrechtspolitik in ihrer Afrikapolitik bestärkt fühlen. "Viele afrikanische Führer begrüßen Pekings Engagement als eine Alternative zu dem, was sie als halbherzige Ansätze der Vereinigten Staaten und Europas betrachten", schreibt Sabine Mokry vom China-Institut Merics in einer Analyse zum China-Afrika-Gipfel. "Interessant wird, wie stark sich China als Alternative zu den USA präsentieren wird, indem es rhetorisch Freihandel und Multilateralismus betont."

Viele Afrikanerinnen und Afrikaner hoffen angesichts der Investitionen der Volksrepublik auf einen schon lange notwendigen Entwicklungsschub. Kritiker hingegen beanstanden die "neokoloniale Eroberung" Afrikas. "Chinesen handeln Bauverträge im Austausch gegen Bergbaukonzessionen aus, zum Beispiel in Sambia oder Simbabwe, oder vergeben, wie in Angola, Kredite, um einen Teil der heimischen Ölproduktion zu decken", sagt der südafrikanische Wirtschaftsexperte und Politologe William Gumede. Noch schlimmer: Der Handel zwischen China und Afrika sei "einseitig", meint Gumede. "Afrikaner haben in China kaum neue Verträge gewonnen. Afrika macht davon absolut keinen Gewinn." Zudem habe Peking keine Scheu, mit Autokraten zu arbeiten, solange es sich Zugang zu Afrikas Bodenschätzen sichern könne.