Die Europäische Zentralbank (EZB) hat eine Halbierung ihrer Anleihenkäufe angekündigt. Ab Oktober will die EZB statt 30 Milliarden Euro monatlich nur noch 15 Milliarden Euro in Staats- und Unternehmenspapiere investieren. Ein Ende des Kaufprogramms ist unverändert zum Jahresende 2018 geplant.

Voraussetzung dafür sei jedoch, dass sich die Inflation weiterhin wie zuletzt entwickele. "Der EZB-Rat ist in jedem Fall bereit, alle seine Instrumente angemessen anzupassen, um sicherzustellen, dass sich die Inflation weiterhin nachhaltig in Richtung des Inflationsziels des EZB-Rats bewegt", sagte EZB-Präsident Mario Draghi.

Das mittlerweile auf 2,6 Billionen Euro angelegte Programm war in den vergangenen drei Jahren das zentrale Instrument, um die Konjunktur zu stärken und eine aus EZB-Sicht zu niedrige Inflation nach oben zu treiben. Mittlerweile läuft die Wirtschaft deutlich besser und auch die Inflation ist angezogen.

Den Leitzins beließ die EZB auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Bereits seit März 2016 hält sie dieses Niveau. Der Zentralbank zufolge soll das auch bis mindestens "über den Sommer 2019" hinaus so bleiben und ein Kurswechsel frühestens im Herbst 2019 kommen.

EZB erreicht Inflationsziel

Volkswirte rechnen damit, dass die EZB dann zunächst die Strafzinsen für Kreditinstitute verringern wird. Sparer dürften noch länger auf eine erste Zinserhöhung warten. Andererseits profitieren Kreditnehmerinnen und -nehmer weiterhin von relativ guten Konditionen.

Im August lagen die Verbraucherpreise im Euroraum nach Zahlen des Statistikamtes Eurostat um zwei Prozent über dem Niveau des Vorjahres. Mittelfristig strebt die EZB Preisstabilität bei einer Teuerungsrate von knapp unter zwei Prozent an. Das ist weit genug entfernt von der Nullmarke. Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, Investitionen aufzuschieben; das könnte die Konjunktur schwächen. Seit dem Frühjahr wird dieses Inflationsziel wieder erreicht, nachdem es jahrelang verfehlt worden war.

Die EZB-Ökonomen ließen ihre Inflationsprognosen unverändert. Demnach werde die Teuerungsrate bis 2020 bei jeweils 1,7 Prozent liegen. Draghi zeigte sich zuversichtlich, dass sich die Inflationsrate dem Ziel von knapp zwei Prozent annähern werde.

Draghi lobt stabilere Banken

Der EZB-Chef betonte zudem, dass strengere Regeln und eine engere Überwachung Europas Banken seit der Lehman-Pleite vor zehn Jahren widerstandsfähiger gemacht hätten. "Alles in allem sind Banken heute stabiler", stellte der Präsident der Europäischen Zentralbank fest. "Können wir deswegen selbstzufrieden sein? Nein."

Viele Risiken seien in die Welt der Schattenbanken abgewandert. Dort müssten Aufseher und Regulatoren genauer hinschauen. Als Schattenbanken gelten Akteure an den Finanzmärkten, die bankähnliche Funktionen wahrnehmen, aber keine Banken sind und somit nicht der Regulierung für Kreditinstitute unterliegen.