Der Deutsche Industrie- und Handelskammertag (DIHK) befürchtet nach den ausländerfeindlichen Vorfällen in Chemnitz eine Beschädigung des Standortes Deutschland. "Bilder haben immer eine starke Wirkung. Sie können mögliche Fachkräfte abschrecken, die aus aller Welt ansonsten zu uns kommen wollen", sagte der stellvertretende DIHK-Hauptgeschäftsführer Achim Dercks der Heilbronner Stimme.

"Wir müssen deutlich machen, dass Rechtsextremismus nicht nur das Ansehen Deutschlands in aller Welt beschädigt", sagte Dercks. "Er gefährdet auch unser Wirtschaftsmodell, das sowohl von der Anerkennung der Produkte made in Germany in aller Welt lebt als auch vom Vertrauen in die politische Stabilität und die Werte der sozialen Marktwirtschaft."

Mit ähnlichen Ermahnungen haben sich bereits mehrere Wirtschaftsverbände und Topmanager großer deutscher Unternehmen an die Öffentlichkeit gewandt. BMW-Chef Harald Krüger sagte der Welt am Sonntag: "Wir stehen ganz klar für eine offene Kultur, für Vielfalt, für ein Miteinander." In seinem Konzern arbeiteten täglich Menschen aus 120 verschiedenen Nationen zusammen, Arbeits- und Ausbildungsplätze würden auch Flüchtlingen angeboten.

Krüger sprach in dem Interview gemeinsam mit Lufthansa-Chef Carsten Spohr. "Wir sind beide viel im Ausland, und wenn man dort die Berichte über Chemnitz verfolgt, dann sind das Bilder aus Deutschland, die man überhaupt nicht sehen möchte", sagte Krüger. Spohr ergänzte: "Dieses Land muss ein Land bleiben, mit dem man positive Bilder verbindet."

In der vergangenen Woche hatte bereits Volkswagen, das in Sachsen wichtige Standorte unterhält, nach dem gewaltsamen Tod eines Deutschen und den darauf folgenden fremdenfeindlichen Übergriffen zu Toleranz aufgerufen. Dies forderten Vorstand, Betriebsräte und rund 500 Angestellte im Motorenwerk Chemnitz. "Wir bei Volkswagen dulden keine Diskriminierung", sagte Personalvorstand Gunnar Kilian.

Landeswirtschaftsminister Martin Dulig (SPD) sieht in den Ausschreitungen einen Nachteil für die Wirtschaft in Sachsen. "Da brauchen wir nicht drum herumreden, das ist ein Schaden, der entstanden ist", sagte er der Deutschen Presse-Agentur. Bei Firmen, Forschungseinrichtungen und Universitäten spüre man Verunsicherung.

Der Präsident des Handelsverbandes Deutschland, Josef Sanktjohanser, warnte in einem offenen Brief an Bundeskanzlerin Angela Merkel: "Alle, die das Bild eines toleranten Deutschlands stören, gefährden erheblich unser Zusammenleben und auch den Wirtschaftsstandort." Der Chef des Handelskonzerns Otto, Alexander Birken, forderte die Manager in Deutschland zu mehr Engagement gegen Fremdenfeindlichkeit auf.