Jeder achte Deutsche lebt dauerhaft unter prekären Umständen. Das ergab eine Studie des Wissenschaftszentrums Berlin, die die gewerkschaftliche Hans-Böckler-Stiftung gefördert hat. Demnach arbeiten rund vier Millionen Menschen und damit 12,3 Prozent der Erwerbstätigen über mehrere Jahre hinweg in perspektivlosen Jobs mit geringem Einkommen und mangelnder sozialer Absicherung. Besonders häufig betroffen sind demnach Frauen im Haupterwerbsalter, die oft Kinder haben. Die zweitgrößte Gruppe sind Väter, die drittgrößte junge Männer.

Das Forscherteam um Jutta Allmendinger und Markus Promberger von der Universität Erlangen-Nürnberg macht die unsichere Situation der Menschen nicht nur am Arbeitsverhältnis fest, sondern auch an den Lebensverhältnissen allgemein. Es fragte auch nach Armut, Überschuldung oder Wohnverhältnissen. Die Datengrundlage stammt aus den Jahren 1993 bis 2012.

Eine Datensammlung zur "Qualität der Arbeit", die das Statistische Bundesamt vorgestellt hat, zeigt zudem, dass immer mehr Beschäftigte auch am Wochenende arbeiten und vor allem Führungskräfte überlange Arbeitszeiten haben. Zudem zeigt die Statistik, dass viele Menschen im Niedriglohnsektor arbeiten.

Als Niedriglöhner gilt, wer weniger als zehn Euro in der Stunde verdient und damit auch weniger als zwei Drittel des mittleren Stundenlohns. Dem Statistischen Bundesamt zufolge betrifft das mehr als jeden fünften Beschäftigten. Frauen mussten sich deutlich häufiger (Quote: 27,2 Prozent) mit niedrigen Löhnen zufrieden geben als Männer (15,8 Prozent). Die weiblichen Beschäftigten arbeiten zudem wesentlich häufiger in gering bezahlten (Dienstleistungs-)Berufen und sind in Teilzeit oder geringfügig beschäftigt.

Etwa jeder zehnte Vollzeiterwerbstätige in Deutschland arbeitet regelmäßig mehr als 48 Stunden in der Woche. Bei Männern ist das den Berechnungen zufolge mit 13 Prozent etwa doppelt so häufig der Fall wie bei Frauen (6,3 Prozent). Generell gilt: je älter, desto länger die Arbeitszeiten. Das hänge auch damit zusammen, dass Führungskräfte eher in höheren Altersgruppen zu finden seien, schreibt das Bundesamt.

Es gibt aber auch positive Nachrichten am deutschen Arbeitsmarkt: 2017 waren nahezu alle Beschäftigten krankenversichert, knapp 89 Prozent hätten bei Arbeitslosigkeit Anspruch auf Arbeitslosengeld I und 83 Prozent der Erwerbspersonen waren in der gesetzlichen Krankenversicherung. Im Schnitt nahm 2017 jeder Arbeitnehmer die Rekordzahl von 31,4 Urlaubstagen. Die Fehlzeiten wegen Krankheit nahmen wieder ab auf 10,6 Arbeitstage pro Beschäftigtem.