Guillermo Galindo ist heute 56 Jahre alt. Mit seiner ersten Frau kam er 1984 aus Kolumbien in die USA. 1986 wurde er amerikanischer Staatsbürger. 2005 kaufte er mit seiner zweiten Frau ein Haus in Revere in Massachusetts, einer kleinen Stadt am Meer in der Nähe von Boston. Es sollte Heim und Arbeitsstätte zugleich werden. Sie bekamen eine Tochter und lebten den amerikanischen Traum. Dann kam die Finanzkrise.

"Ein Freund hatte mir von dem Haus erzählt. Fußläufig zum Meer, groß und hell. Meine beiden Töchter aus erster Ehe könnten ihr eigenes Zimmer haben. Und das Obergeschoss ließe sich sogar vermieten, es gab einen zusätzlichen Eingang. Dass es an der Kreuzung einer Schnellstraße lag, störte mich schon, aber man sagte mir, es sei trotzdem ein guter Deal. 410.000 Dollar sollte es kosten. Fünf Prozent vom Kaufpreis konnte ich selbst aufbringen, also 20.500 Dollar. Wells Fargo lieh mir den Rest, fast 390.000 Dollar. Es war leicht, den Kredit zu bekommen. Ich musste lediglich eine Versicherung auf den Kredit abschließen, die griffe, wenn ich nicht mehr zahlen könnte. Das schien mir in Ordnung, ich befasste mich nicht weiter damit. Ich war zu dem Zeitpunkt bereits seit zehn Jahren als Fahrer für ein Pharmaunternehmen tätig und verdiente ungefähr 45.000 Dollar im Jahr. Meine monatlichen Zinsen und die Tilgungsrate betrugen zusammen ungefähr 2.000 Dollar. Das schien machbar. Mein Bruder und ich fingen sofort mit den Renovierungen an. Wir strichen alle Wände, machten Bäder und Küche neu. Und ich baute einen weißen Zaum um das Grundstück herum. Der war mein ganzer Stolz.

Ein paar Monate nachdem ich es gekauft hatte, zogen wir in das Haus ein. Wir waren glücklich, alles schien gut zu funktionieren. Meine Frau konnte immer gut mit Kindern, daher entschieden wir uns, in dem Haus eine Kinderbetreuung zu eröffnen. Ich baute den Keller aus, steckte mein letztes Erspartes, 25.000 Dollar, in Renovierung, Möbel und Kinderspielzeug. Fast genau auf den Tag, an dem unsere kleine Kita fertig wurde, kam der erste Rückschlag. Tagelanger Regen überflutete den Keller. Feuchtigkeit zog ein, mit ihr Schimmel und Gestank. Ich musste mir also weitere 7.000 Dollar von einer Bank leihen, an deren Namen ich mich heute noch nicht mal mehr erinnere. Als wir mit den Renovierungen schließlich fertig waren, vermieteten wir das Obergeschoss an eine junge Familie. Wir eröffneten die Kinderbetreuung ungefähr ein halbes Jahr nach Kauf des Hauses. Die Kinder kamen, alles lief gut.

2008 begann mein Chef, meine Arbeitsstunden zu verringern, fast um 30 Prozent. Ich sollte auf einmal 15.000 Dollar weniger im Jahr verdienen. Das Pharmaunternehmen gliederte den Vertriebszweig an ein anderes Unternehmen aus und entließ viele Menschen. Mir kündigte man zwar nicht, empfahl mir aber, mich für den gleichen Job bei der neuen Firma zu bewerben. Ich bewarb mich, doch das Angebot, das sie mir machten, war so schlecht, dass ich auch gleich bei meinem alten Arbeitgeber bleiben konnte. Es war zu wenig Gehalt, so oder so. Also verließ ich bald darauf das Pharmaunternehmen, um meiner Frau in der Kinderbetreuung zu helfen. Zusammen konnten wir mehr Kinder betreuen. Doch dann begannen auch noch die Zinsen zu steigen. Ich hatte dummerweise meinen Zinssatz nicht festschreiben lassen. Dann bekam unsere junge Mieterin Eheprobleme und wurde vom Ehemann mit dem Baby sitzen gelassen. Weil er ihr keinen Unterhalt leistete, hörte sie von einem auf den anderen Tag auf, Miete zu zahlen.