Als Olaf Scholz am Mittwoch in Berlin in den Flieger stieg, um zum Herbsttreffen des Internationalen Währungsfonds in Bali zu reisen, wusste er nicht, wo er aufwachen würde. Während der deutsche Finanzminister noch in der Luft war, bebte in Indonesien erneut die Erde, und kurzfristig wurde erwogen, in Singapur oder Bangkok den weiteren Gang der Ereignisse abzuwarten.

Scholz konnte dann doch auf Bali landen, aber der Zwischenfall ist ein Symbol für die Lage der Weltwirtschaft. Es ruckelt an den internationalen Finanzmärkten, die Aktienkurse sind gefallen, nachdem es fast zehn Jahre praktisch ununterbrochen nach oben gegangen war.

Im Kern ist das, was sich gerade an den Märkten abspielt, eine längst überfällige Entwicklung. Die amerikanische Wirtschaft wächst seit rund zehn Jahren rasant und stößt allmählich an ihre Grenzen. Die Löhne steigen, Arbeitskräfte werden knapp, Maschinen sind ausgelastet. Die Notenbank Federal Reserve reagiert darauf mit Zinserhöhungen, die das Wachstum herunterbremsen, um eine Überhitzung der Wirtschaft mit steigender Inflation zu verhindern. Das ist ein völliger normaler Vorgang. Auf jeden Aufschwung folgt ein Abschwung.

Das Problem ist nur, dass die USA von einem Präsidenten regiert werden, der den Ausschlag der Konjunktur zu verschärfen droht. Denn Donald Trump hat praktisch auf dem Höhepunkt des Booms die Steuern gesenkt und damit der ohnehin heiß laufenden Wirtschaft noch einen zusätzlichen Schub verschafft. Und er hat die Welt mit Strafmaßnahmen überzogen, deren unmittelbare Wirkung in eine ähnliche Richtung geht. Die Handelszölle insbesondere gegen Einfuhren aus China verteuern viele Waren, die in den USA verkauft werden. Und wegen der drohenden Sanktionen gegen den Iran steigt der Ölpreis, was ebenfalls die Teuerungsrate steigen lässt.

Die amerikanische Notenbank befindet sich damit in einem Dilemma: Sie muss die Zinsen schnell genug erhöhen, um einen Anstieg der Inflation zu verhindern. Anderseits darf sie nicht zu rabiat vorgehen, weil sonst die Konjunktur Schaden nimmt. Trump hat diesen ohnehin schon schwierigen Balanceakt durch seine beispiellosen Attacken auf die eigentlich unabhängige Notenbank noch einmal komplizierter gemacht. Denn nun muss die Federal Reserve auch noch darauf achten, dass nicht der Eindruck entsteht, sie sei eine untergeordnete Behörde des Weißen Hauses. 

Gefährliche Schulden der Schwellenländer

Die Entscheidungen der amerikanischen Notenbank strahlen auf die ganze Welt aus. Vor allem in den Schwellenländern haben sich viele Unternehmen hoch verschuldet. Vielerorts – zum Beispiel in der Türkei – lauten die Kredite auch noch auf Dollar. Das macht solche Länder besonders anfällig für steigende Zinsen in den USA. Denn die führen in aller Regel dazu, dass Investoren ihr Kapital aus den aufstrebenden Märkten abziehen und in den Vereinigten Staaten anlegen, wo es mehr Rendite gibt und zugleich das Risiko geringer ist. Dann aber verliert die Währung des betroffenen Landes an Wert und die Schuldenlast steigt, weil die Unternehmen mehr türkische Lira oder südafrikanische Rand aufbringen müssen, um ihre Dollarkredite zu bedienen.

Wie geht es jetzt weiter? Die in Bali versammelten Finanzminister und Notenbankchefs sind zuversichtlich, dass derzeit keine echte Krise droht. Das ist durchaus plausibel. Die Wachstumsraten sind weltweit immer noch recht ordentlich, auch in Europa, wo der Streit um das überhöhte italienische Haushaltsdefizit zusätzliche Unruhe an den Finanzmärkten auslöst. Mit etwas Glück also bleibt es bei einer Korrektur, die nach so vielen Jahren steigender Kurse auch gesund wäre.

Das setzt aber voraus, dass sich die Akteure am Ende einigermaßen rational verhalten. In diesem Fall betrifft das vor allem den amerikanischen Präsidenten, der seine Attacken auf die Notenbank einstellen und im Handelsstreit zu Kompromissen bereit sein müsste. Und es betrifft den italienischen Regierungschef, der eine Einigung mit der Europäischen Kommission zu erreichen hätte. Es ist nicht auszuschließen, dass es auch anders kommt.