Die Zahl der Sanktionen gegen Hartz-IV-Empfänger ist in den ersten sechs Monaten des Jahres leicht auf knapp 449.550 gesunken. Das waren rund 25.800 weniger als im gleichen Vorjahreszeitraum, teilte die Bundesagentur für Arbeit mit. Die Sanktionsquote – also das Verhältnis von verhängten Sanktionen zu allen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten – lag unverändert bei 3,1 Prozent. Mit 77,4 Prozent entfällt ein Großteil der Sanktionen auf Meldeversäumnisse. Zu diesen Vergehen gehört es etwa, wenn jemand einen Termin beim Jobcenter ohne wichtige Gründe nicht wahrnimmt.

Im vergangenen Jahr waren bundesweit knapp 953.000 Bezieher mit einer Kürzung oder Streichung des Arbeitslosengeldes II bestraft worden, weil sie mehrfach Termine versäumt oder angebotene Jobs abgelehnt hatten. Das waren rund 13.700 mehr als im Jahr 2016.

Das Sozialgesetzbuch II schreibt die Strafen vor. Bei schwerwiegenden Pflichtverletzungen kann sogar die gesamte Unterstützung auf Zeit gestrichen werden. Zuletzt registrierte die Bundesagentur für Arbeit rund 4,08 Millionen Hartz-IV-Empfänger. Der Regelsatz für einen erwerbsfähigen Leistungsberechtigten beträgt aktuell 416 Euro im Monat.

Weniger Milde bei jungen Menschen

Menschen unter 25 Jahren sind von den Sanktionen stärker betroffen als ältere Leistungsempfänger. Das Gesetz sieht bei Jugendlichen bereits beim ersten Verstoß, der über ein Meldeversäumnis hinausgeht, eine hundertprozentige Streichung der Regelleistung vor. Wenn sie sich innerhalb eines Jahres einen weiteren Verstoß leisten, kann ihnen auch die Miete gekürzt werden.

Das Vorgehen der Arbeitsagentur kritisierte SPD-Chefin Andrea Nahles im August. Sie plädierte für eine Abschaffung der Sanktionen bei jungen Hartz-IV-Empfängern. Nach so harten Strafen würden einige Jugendliche den Kontakt zum Jobcenter ganz abbrechen. "Ergebnis sind ungelernte junge Erwachsene, die wir nicht mehr erreichen", sagte Nahles. Die Union hatte den Vorstoß abgelehnt.