Die Aufträge für die britische Industrie sind so stark gefallen wie seit drei Jahren nicht mehr. Das entsprechende Wirtschaftsbarometer sank von August bis Oktober auf minus sechs Zähler, wie der Branchenverband CBI in seiner monatlichen Unternehmensumfrage mitteilte. Die Zuversicht der Unternehmen fiel zudem auf den schlechtesten Wert seit dem Brexit-Votum Mitte 2016.

Als Grund für die "ernüchternden Zahlen" nannte CBI-Ökonomin Rain Newton-Smith, dass die "geplanten Investitionen angesichts der zunehmenden Brexit-Unsicherheit zurückgefahren werden". Newton-Smith fordert Finanzminister Philip Hammond deshalb auf, gegenzusteuern, indem er Anreize für Investitionen schaffe.

Gleichzeitig mit einem Rückgang der Auftragszahlen stiegen die Steuereinnahmen in Großbritannien, wie die Financial Times berichtet. Das unabhängige Büro für Haushaltsverantwortung werde seine Prognosen für die Kreditaufnahme kürzen, weil die Steuereinnahmen sich verbessert hätten, berichtete die Zeitung. Dadurch werde das Defizit um rund 14,7 Milliarden Euro im laufenden Fiskaljahr reduziert. Finanzminister Hammond ist durch die Verbesserung der Finanzen in der Lage, auf Steuererhöhungen zu verzichten, wenn er seinen Haushaltsplan kommende Woche dem britischen Unterhaus vorstellt.

Großbritannien will im März 2019 aus der Europäischen Union austreten. Weil die Verhandlungen über die Details eines Brexit-Abkommens stocken, bereiten sich die EU-Staaten und viele Unternehmen auf einen harten Brexit vor, also einen EU-Austritt Großbritanniens ohne rechtliche Grundlage für die zukünftigen Beziehungen. Dieses Szenario wird wegen der damit verbundenen Ungewissheit von der Wirtschaft gefürchtet.