In inzwischen 28 Städten in Deutschland drohen Fahrverbote, damit die Luft sauberer wird. Hier berichten zwei Dieselbesitzer aus Hamburg und Stuttgart über ihre Erfahrungen mit Fahrverboten und Umtauschprämien.

Frank Lukaschek, 32, Bauingenieur aus Hamburg, fährt VW T5 von 2006, Euro Norm 5.

Mich stört, dass die Dieselgeschichte seit drei Jahren läuft. Die Regierung zeigt sich ziemlich schwach. Die versuchen, den Leuten weiszumachen, sie hätten eine Wahnsinnslösung parat. Dabei ist die Lösung: Kauft euch neue Autos. Der einzige Akteur, der daran Geld verdient, ist die Autoindustrie. 

Ich wohne in einer Straße parallel zur Max-Brauer-Allee, auf der es schon jetzt Fahrverbote gibt. Kontrolliert wurde ich bisher noch nicht. Solange die Fahrverbote nur in den Städten herrschen und nicht ausgeweitet werden, kann man ja noch mit dem Auto fahren. Es gibt Schleichwege.

Verkaufen möchte ich mein Auto nicht. Vor der Fahrverbotsgeschichte hätte ich auf dem freien Markt für das Auto locker 10.000 Euro bekommen. Jetzt könnte ich vielleicht noch mit 5.000 Euro rechnen.

Ich behalte das Auto erst einmal. Nachrüstungen wären natürlich gut. Wenn ich eine Prämie in Höhe von 10.000 Euro bekäme, würde ich das Auto auch verkaufen. Trotzdem: Warum muss ich denn den Rest bezahlen, wenn ich damals getäuscht wurde? Gestern Abend habe ich gelesen, dass man auch mit einem Euro-6 nicht mehr sicher sein kann vor Fahrverboten. Ich habe die Muße verloren, mich mit dem Thema zu beschäftigen. Ich warte mal ab, wie das weitergeht.

Sandra Gräter, 36, Lehrerin in Elternzeit und Mutter von drei Kindern, fährt einen Toyota Corolla Verso von 2009, Euro-4-Diesel. 

Wir waren total glücklich, dass wir in unser Auto drei Kindersitze reinbekommen. So können wir das Auto trotz unseres neuen Familienzuwachses noch ewig fahren, dachten wir. Wir hatten das Auto vor sieben Jahren gekauft – zum damaligen Zeitpunkt noch steuerbefreit, weil es so ein toller, sauberer Diesel war. Jetzt dürfen wir das Auto in Stuttgart ab Januar wohl nicht mehr fahren.

Ein Artikel über das neue Konzept der Bundesregierung hat uns vor Kurzem ermutigt: Da gibt es jetzt Dieselprämien, stand da. Daraufhin haben wir uns kundig gemacht. Leider stellte sich heraus, dass die Prämien freiwillig gezahlt werden und sich von Automarke zu Automarke unterscheiden. Bei Toyota ist die Prämie beispielsweise daran gebunden, dass man statt des Diesels ein Hybridauto kauft. Leider bietet Toyota zurzeit gar kein Hybridfahrzeug an, welches von der Größe her zu unserer fünfköpfigen Familie passt.

Wenn ich übers Wochenende in einer anderen Stadt war und dann nach Stuttgart zurückkomme, fällt mir immer wieder die Neuwagendichte hier auf. Das ist Wahnsinn. Neue Daimler, BMW und Audi prägen das Bild auf den Straßen. Die alten Kisten sollen von den Straßen verschwinden. Autos wie unseres sind damit gemeint, dabei hat es noch nicht einmal 90.000 km auf dem Buckel. Wer soll sich das leisten können? Wir haben ein sehr gutes Einkommen, trotzdem werden wir in Zukunft unter Umständen erst mal kein Auto mehr haben, bis klar ist, wie es mit den Dieseln weitergehen wird. 

Die einzige Lösung für uns wäre die Möglichkeit, Euro-5-Fahrzeuge nachzurüsten. Das sind die gebrauchten Autos, die für uns preislich in Frage kämen. Wenn sich das bis Januar nicht entschieden hat, muss ich wohl temporär erst einmal auf ein E-Bike mit Fahrradanhänger umsteigen. Wie ich so aber meine drei Kinder zu ihren ganzen verschiedenen Hobbys bringen soll, zu denen sie selbst nicht hinkommen, weiß ich nicht. Ein Neuwagenkauf ist bei uns auf alle Fälle nicht möglich.

Fahren Sie ebenfalls einen Diesel? Wie gehen Sie mit den geplanten Fahrverboten um? Schildern Sie uns Ihre Erfahrungen gern im Kommentarbereich.

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