Geschäftsbanken können sich weiterhin Geld zu null Prozent Zinsen von der Europäischen Zentralbank (EZB) leihen. Der Rat der EZB teilte mit, der Leitzinssatz werde wie erwartet nicht verändert, sondern bleibe auf dem Rekordtief von 0,0 Prozent. Dort liegt er bereits seit März 2016. Der sogenannte Einlagensatz bleibt zudem bei minus 0,4 Prozent. Banken müssen also weiterhin Strafzinsen zahlen, wenn sie über Nacht überschüssiges Geld bei der Notenbank parken.

Der EZB-Rat bekräftigte, dass die Zinsen bis mindestens über den Sommer 2019 auf dem aktuellen Niveau bleiben werden. Möglicherweise kommt es also erst unter dem Nachfolger des EZB-Präsidenten Mario Draghi zur Zinswende. Die achtjährige Amtszeit des Italieners läuft Ende Oktober 2019 aus.

Der Rat der Notenbank bekräftigte nach der Zinssitzung in Frankfurt auch, die vor allem in Deutschland umstrittenen Anleihenkäufe bis zum Jahresende einzustellen, sofern sich der konjunkturelle Aufschwung in der Eurozone fortsetze. Ein formaler Beschluss hierzu wurde allerdings nicht verkündet. Im Oktober wurde das monatliche Kaufvolumen von Staatsanleihen bereits auf 15 Milliarden Euro halbiert. Nach dem Ende der Transaktionen will die EZB die Einnahmen aus fällig werdenden Titeln jedoch noch für längere Zeit in Anleihen reinvestieren. Seit Beginn des Kaufprogramms im März 2015 hat die EZB Wertpapiere im Gesamtwert von mehr als 2,5 Billionen Euro gekauft.

Die EZB nutzt die Wertpapierkäufe seit März 2015 auch dafür, die Inflation zu erhöhen. Die Zentralbank strebt eine Teuerungsrate von knapp zwei Prozent als Idealwert für die Wirtschaft an. In den vergangenen Monaten lag sie meist nahe an diesem Ziel. Im Euroraum lagen die Verbraucherpreise im September 2,1 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ziel der Zinspolitik der EZB ist es, die Konjunktur in den 19 Euroländern anzuregen.