Fertiggerichte wie Tiefkühlpizzen sollen künftig mit weniger Fett, Salz und Zucker auskommen. Darauf einigte sich Bundeslandwirtschaftsministerin Julia Klöckner mit mehreren Branchenverbänden in einer Grundsatzvereinbarung. Die Ernährungsindustrie habe sich verpflichtet, die entsprechenden Zutaten ab 2019 zu reduzieren, teilte Klöckner mit.

Bis zum Jahresende sollen die Branchenverbände ein Konzept mit dem Ministerium erarbeiten. Der Grundsatzvereinbarung zufolge soll die Industrie ab 2019 sechs Jahre Zeit haben, die gesetzten Ziele zu erreichen.

Die Häufigkeit von "krankmachendem Übergewicht und ernährungsmitbedingten Krankheiten" in Deutschland müsse gesenkt werden, sagte Klöckner. Es sei gut, dass die Wirtschaft anerkenne, Teil der Lösung des Problems Übergewicht zu sein. Der Grundsatzvereinbarung zufolge geht es darum, "auf freiwilliger Basis eine möglichst breite Mitwirkung der Wirtschaftsunternehmen zu erreichen".

Bei den Vorgaben sollten aber auch wirtschaftliche Argumente berücksichtigt werden. So müssten die Belange kleiner handwerklicher Betriebe beachtet werden, außerdem müssten Geschmack und Konsistenz der Lebensmittel den Verbraucherinnen und Verbrauchern weiterhin zusagen, schränkte Klöckner ein. Mögliche Maßnahmen seien neben der Reduzierung von Zucker, Fett und Salz auch Verkleinerungen von Verpackungsgrößen, sagte die Ministerin. Ein besonderes Augenmerk gelte Lebensmitteln, die sich speziell an Kinder und Jugendliche richteten.

Verbraucherorganisation kritisiert Klöckner für "Kuschelkurs"

Ein erster Versuch der letzten großen Koalition für eine Reduktion der Inhaltsstoffe hatte heftige Proteste der Branche ausgelöst. Der Spitzenverband der deutschen Lebensmittelwirtschaft BLL betonte nun, es gelte, die Verbraucher bei der Änderung von Rezepturen mitzunehmen. Eine Reduktion von Nährstoffen, die nicht nur Geschmacksträger sind, sondern auch technologische Funktionen bei der Herstellung hätten, gehe nicht von heute auf morgen, sondern müsse schrittweise erfolgen.

Die Verbraucherorganisation Foodwatch kritisierte die Pläne und warf Klöckner einen "Kuschelkurs" vor. Die Vereinbarung überlasse es den Unternehmen selbst, welche Zielvorgaben sie sich setzten, und lasse ihnen dafür auch noch bis 2025 Zeit.