Wenn man eine größere Investition plant, überkommt einen oft ein mulmiges Gefühl: Ist jetzt der beste Zeitpunkt, die Reise nach Thailand zu buchen? Sollte man besser noch warten, bis man den Kühlschrank kauft? Wenn die Unsicherheit in dieser Frage so groß wird, dass Verbraucher ihre Entscheidung immer wieder auf später verschieben, kann das für die Wirtschaft zum Problem werden. Noch folgenreicher wird es, wenn Managerinnen und Manager ähnlich fühlen und zögern. Und das ist gerade der Fall.

Zwischen Mai und September dieses Jahres hat die Unsicherheit in deutschen Unternehmen so stark zugenommen wie zuletzt in der Zeit der Weltfinanzkrise 2008 und 2009, zeigt ein Index des ifo Instituts. Besonders stark nehme die Unsicherheit in Unternehmen der Industrie und im Dienstleistungssektor zu, also den zentralen Branchen der deutschen Wirtschaft, heißt es vom Münchener Forschungsinstitut. Die Konsequenz dieser Verunsicherung könne sein, dass Unternehmen sich mit Investitionen zurückhielten und zögern könnten, neues Personal einzustellen.

Die gemeinsame Prognose für das Wirtschaftswachstum in Deutschland haben die führenden Forschungsinstitute ebenfalls abgesenkt. Statt der im Frühjahr erwarteten 2,2 Prozent dürfte das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 1,7 Prozent wachsen. Für das kommende Jahr senkten die Institute ihre Prognose ebenfalls leicht ab. Auch an den Börsen spiegelt sich diese Entwicklung in den Kursen wider, der Dax bewegt sich seit Beginn des Jahres abwärts, nachdem er die vorangegangen zwei Jahre kontinuierlich gestiegen war. Seit Januar hat er gut 2.000 Punkte verloren. Ist das der Beginn des Abschwungs, das Ende des Booms?

"Wir hatten das Sommerhalbjahr besser eingeschätzt, als es tatsächlich geworden ist", sagt Timo Wollmershäuser, Leiter der Konjunkturforschung im Münchner ifo Institut. Der Hauptgrund für die schlechtere Bewertung und den pessimistischeren Ausblick sei die Weltkonjunktur. "Die war im vergangenen Jahr der Treiber für das Wachstum, auch der Euroraum ist sehr gut gelaufen", erklärt Wollmershäuser. Beides habe sich 2018 deutlich verschlechtert. Anders läuft es nur in den USA, wo wegen der Steuerreform von US-Präsident Donald Trump die Hochkonjunktur anhalte. Trump hatte die Unternehmen durch Steuersenkungen zuletzt stark entlastet

Trumps Zölle treffen Deutschland indirekt

Diverse Ereignisse hätten dazu beigetragen, dass sich die Stimmung in den deutschen Unternehmen eingetrübt habe, sagt Wollmershäuser – der Fall Italien zum Beispiel. "Die Haushaltspläne der italienischen Regierung lassen uns wieder über die Eurokrise diskutieren, auch weil die Risikoaufschläge auf italienische Staatsanleihen stark gestiegen sind", sagt der ifo-Wissenschaftler.

Auch Donald Trumps Handelspolitik zeige in Deutschland ihre Folgen, selbst wenn der Euroraum von direkten Zöllen bisher weitgehend verschont geblieben sei. "Deutsche Unternehmen sind breit aufgestellt, es wird global produziert, nach Deutschland geliefert, hier zusammengebaut und wieder exportiert", sagt Wollmershäuser. "Wir befinden uns inmitten einer globalen Wertschöpfungskette. Da spielt es auch eine Rolle, wenn Zölle zwischen den USA und anderen Ländern erhoben werden." Das verunsichere die Unternehmer.