Die deutsche Industrie hat von der Bundesregierung einen schnelleren Ausbau des Internets gefordert. Um einen flächendeckenden Zugang zu schnellem Internet zu erreichen, bedürfe es einer gezielten Anreizpolitik, zitierte die Frankfurter Allgemeine Zeitung (FAZ) aus einem Appell des Bundesverbands der deutschen Industrie (BDI).

BDI-Präsident Dieter Kempf fordere in der Zeitung die Einführung eines Gutscheinsystems für Unternehmen. Vorbild sei ein ähnliches System in Großbritannien, die sogenannten Gigabit Broadband Vouchers. Die britische Regierung verteilt Gutscheine an die Unternehmen. Mit diesen wird ihnen ein Teil der Kosten erstattet, die entstehen, wenn sie von den Telekommunikationsanbietern an das Gigabit-Netz angeschlossen werden. In Großbritannien sei die Zahl der schnellen Internetanschlüsse dadurch deutlich gestiegen.

Auch der Branchenverband der Telekommunikationsunternehmen VATM befürwortete in der FAZ ein derartiges System. Außerhalb von Ballungsgebieten und schon mit Gigabit versorgten Regionen solle es für jeden neuen Glasfaseranschluss einen staatlichen Zuschuss von einmalig 500 Euro geben. Das würde laut VATM den privatwirtschaftlichen Ausbau deutlich beschleunigen und den Förderbedarf für die Netze senken.

Die große Koalition hat im Koalitionsvertrag versprochen, alle Gewerbegebiete bis zum Ende der Legislaturperiode an das Glasfasernetz anzuschließen. So sollen die Unternehmen in Gigabit-Geschwindigkeit surfen können – also mit bis zu 1.000 Megabit pro Sekunde. Technisch verfügbar sind die Anschlüsse laut einer Auswertung der Organisation für wirtschaftliche Zusammenarbeit und Entwicklung für 3,4 Millionen deutsche Haushalte, rund 520.000 mehr als vor einem Jahr. Im Vergleich der Industrieländer liegt Deutschland damit aber weit hinten. In Japan und Südkorea seien rund drei Viertel der Haushalte mit einer Glasfaserleitung versorgt.

Wirtschaft fordert bessere Zusammenarbeit der Ministerien

Der BDI forderte dem Bericht zufolge auch eine faire Vergabe der Mobilfunklizenzen für 5G. Der neue Mobilfunkstandard sei für die Wirtschaft von enormer Bedeutung, schrieb Kempf. Im Frühjahr 2019 soll die Versteigerung der Frequenzen stattfinden. Die Vergabe darf laut BDI aber nicht vordergründig auf eine "Maximierung der Auktionserlöse ausgerichtet" sein. Die Unternehmen bräuchten auch noch Geld für den Ausbau der Netze, hieß es laut Bericht weiter.

5G soll den Weg ebnen für eine ganze Reihe künftiger Schlüsseltechnologien – wie etwa autonomes Fahren, virtuelle Realität, Telemedizin und Industrie 4.0. Dafür wird ein Netz benötigt, das riesige Datenmengen in Echtzeit transportiert und somit die Vernetzung von Milliarden von Geräten ermöglicht. 

Der BDI forderte in der FAZ zudem eine bessere Koordination innerhalb der Bundesregierung bei dem Thema. Es müsse eine "klare Aufteilung der Zuständigkeiten zwischen den Ministerien und dem Bundeskanzleramt erfolgen", schrieb Kempf laut dem Bericht. Das gesamte Positionspapier soll auf einer Konferenz des BDI und des Deutschen Industrie- und Handelskammertags (DIHK) veröffentlicht werden. An der Veranstaltung nehmen auch Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) und Kanzleramtschef Helge Braun (CDU) teil.