In Ostdeutschland sind weiterhin mehr Menschen von Armut bedroht als im Westen. Allerdings ist der Unterschied geringer geworden. Das geht aus Daten der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder hervor, auf die die Linksfraktion im Bundestag aufmerksam gemacht hat.

Im vergangenen Jahr waren demnach in den Ost-Ländern einschließlich Berlin 17,8 Prozent der Menschen armutsgefährdet – im Westen waren es 15,3 Prozent. Der Anteil sank dabei im vergangenen Jahr im Osten um 0,6 Prozent, während er im Westen um 0,3 Prozent stieg. Als von Armut bedroht gelten Menschen mit einem Einkommen unter 60 Prozent des mittleren Einkommens. Die Grenze lag 2017 im Osten bei 915 Euro, im Westen bei 1.025 Euro.

Im Zehnjahresvergleich sind deutliche Verschiebungen erkennbar. So ist die Zahl der Armutsgefährdeten im Osten gesunken: 2008 waren dort noch 19,5 Prozent der Menschen von Armut bedroht. Im Westen ist der Anteil dagegen gestiegen. Vor zehn Jahren waren dort noch 12,9 Prozent der Menschen von Armut gefährdet.

Linke wirft Bundesregierung "Totalversagen" vor

Deutliche Unterschiede bei der Armutsgefährdung zwischen Ost und West existieren den Daten zufolge bei den 18- bis Unter-25-Jährigen. In den neuen Bundesländern waren im vergangenen Jahr 33,7 Prozent der jungen Menschen von Armut bedroht, während es im Westen 24,7 Prozent waren. 

Sabine Zimmermann, sozialpolitische Sprecherin der Linksfraktion, warf der Bundesregierung bei der Armutsbekämpfung "Totalversagen" vor. "Über ein Vierteljahrhundert nach der Deutschen Einheit ist es nicht nachvollziehbar, dass es immer noch ein deutliches Einkommensgefälle zwischen West und Ost gibt", sagte Zimmermann. Prekäre Beschäftigung müsse zurückgedrängt und der Mindestlohn erhöht werden.

Auch der vor Kurzem vorgestellte Jahresbericht zur deutschen Einheit sieht im Hinblick auf Wirtschaftskraft und Lohnniveau immer noch erhebliche Unterschiede zwischen Ost und West.