Die niedrigen Pegelstände der Flüsse bringen Transportketten in Deutschland durcheinander. Wegen des Niedrigwassers auf dem Rhein zum Beispiel kommt es bei Benzin und Diesel zu Lieferengpässen, wodurch auch die Preise an den Tankstellen steigen. In einigen Fällen mussten diese den Verkauf von Benzin oder Diesel ganz einstellen, sagte Stephan Zieger, Geschäftsführer des Bundesverbands freier Tankstellen (BFT). Auch Unternehmen wie Thyssenkrupp und BASF waren zeitweilig dazu gezwungen, ihre Produktion einzuschränken.

"In den Tanklagern entlang des Rheins kommt nicht genug Treibstoff an, weil die Tankschiffe nur noch halb so viel oder noch weniger Benzin und Diesel transportieren können", sagte ein Sprecher des Tankstellenbetreibers Aral. Die Transportkapazität der Schiffe sei nur zu einem Teil durch Lastwagen zu ersetzen. Feiertagsfahrverbote für Lkw am Reformationstag und an Allerheiligen hätten die Situation zusätzlich erschwert. Welche Tankstelle es treffe, sei nicht vorhersehbar, sagte BFT-Geschäftsführer Zieger.

Die Lieferengpässe haben auch zu steigenden Benzin- und Dieselpreisen geführt. Der Preis für einen Liter Benzin stieg von Anfang bis Ende Oktober im bundesweiten Durchschnitt von 1,34 Euro auf 1,42 Euro. Superbenzin verteuerte sich im gleichen Zeitraum von 1,49 Euro auf 1,53 Euro je Liter. Dabei fielen die Rohölpreise im Oktober eigentlich, ein Barrel Rohöl (159 Liter) der Nordseesorte Brent verbilligte sich um elf Prozent auf umgerechnet 66,40 Euro. Auch die Preise von Heizöl bleiben hoch. Als Grund für die hohen Preise nennen Experten und Branchenverbände die Folgen der Trockenheit.

Die anhaltende Trockenheit ließ seit dem Frühjahr die Wasserstände der Flüsse in Deutschland immer weiter sinken. Besonders der Rhein und seine Nebenflüsse spielen eine wichtige Rolle für die Versorgung Deutschlands mit Öl und anderen Rohstoffen. Am Fluss liegen wichtige Raffinerien, von denen die fertigen Produkte per Binnenschiff zu Tanklagern transportiert werden. Erst dort folgt der Wechsel auf Schiene oder Straße.

Nationale Ölreserve freigegeben

Das Wirtschaftsministerium hatte im Oktober Teile der nationalen Ölreserve entlang der Rheinschiene freigegeben. Die Bestände – 70.000 Tonnen Benzin, 150.000 Tonnen Diesel und 56.000 Tonnen Kerosin – wurden den Mitgliedsunternehmen des Erdölbevorratungsverbandes (EBV) angeboten. Die Mineralölunternehmen entscheiden selbst, ob sie die Mengen abnehmen wollen. Der EBV war während der Ölkrise in den 1970er-Jahren eingerichtet worden, um eine mögliche Unterbrechung der Ölversorgung abzufedern. Er hält ausreichend Rohöl und Ölprodukte vor, um Deutschland 90 Tage lang versorgen zu können – insgesamt rund 24 Millionen Tonnen.

Der Konzern Thyssenkrupp hatte im Oktober nicht mehr ausreichend Rohstoffe für sein Duisburger Stahlwerk erhalten und deshalb gegenüber Kunden einen Notstand erklärt. Anfang November teilte das Unternehmen mit, man fahre die Stahlproduktion angesichts steigender Pegelstände des Rheins wieder hoch und organisiere nun die Normalisierung der Lieferbeziehungen. Auch das Chemieunternehmen BASF musste im Oktober die Produktion in Ludwigshafen anpassen, da das dortige Werk nur noch von wenigen Schiffen angefahren werden konnte. Normalerweise befördert BASF in Ludwigshafen 40 Prozent der Güter per Binnenschiff.

Der Mineralölwirtschaftsverband nannte auch die Explosion in einer Raffinerie im bayerischen Vohburg an der Donau im September als Grund für die Versorgungslücken. Der dortige Produktionsausfall verschärfe die Situation in Süddeutschland, sagte ein Sprecher. Die Freigabe von Kraftstoff aus der Erdölreserve habe zu keiner durchgreifenden Verbesserung geführt. Eine durchgreifende Entspannung bei der Versorgung werde es nur bei steigenden Wasserständen geben.