Der Internationale Währungsfonds (IWF) hat vor den Auswirkungen der Finanzprobleme Italiens auf andere europäische Länder gewarnt. Die Ungewissheit über Italiens Finanzen sei beträchtlich, teilte der IWF in seiner Herbstprognose für Europa mit. Italiens Staatsfinanzen könnten weiter unter Druck geraten und damit andere Staaten anstecken, deren Wirtschaft schwächer und deren haushaltspolitische Handlungsfreiheit begrenzt sei.

Die EU-Kommission hatte zuvor gewarnt, die Staatsschulden Italiens könnten stark steigen, sollte die Regierung in Rom an ihren Haushaltsplänen festhalten. In diesem Fall werde die Neuverschuldung 2019 um 2,9 Prozent und in 2020 um 3,1 Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP) steigen, prognostizierte der IWF. Und würde damit über der Defizitgrenze von drei Prozent liegen, die zu den Maastricht-Kriterien gehört, die ein Land erfüllen muss, um Mitglied werden zu können.

Die seit Juni amtierende Koalition aus populistischer Fünf-Sterne-Bewegung und fremdenfeindlicher Lega geht von einem deutlich niedrigeren Anstieg aus. Italiens Wirtschaftsminister Giovanni Tria warf der EU-Kommission "fachliches Versagen" vor. Trotz der zusätzlichen Informationen und Klarstellungen aus Rom sei ihre Analyse des italienischen Haushalts "unzureichend und einseitig".

Die EU-Kommission hatte im Oktober im Falle Italiens erstmals überhaupt den Haushaltsentwurf eines Mitgliedsstaates zurückgewiesen. Sie kritisierte dabei, dass der Wert für 2019 dreimal so hoch liegt wie von der Vorgängerregierung mit Brüssel vereinbart.

Italien hat noch bis zum 13. November Zeit, einen korrigierten Haushalt vorzulegen. Ansonsten droht der Regierung die Eröffnung eines Defizitverfahrens, das Bußgeld in Milliardenhöhe nach sich ziehen kann.