Konjunktur - Wirtschaftsweise senken Prognose Der Sachverständigenrat erklärte im Gutachten, dass das Bruttoinlandsprodukt in diesem Jahr nur um 1,6 Prozent wachsen würde. Ein Unsicherheitsfaktor sei der Brexit. © Foto: Bernd von Jutrczenka

Die Wirtschaftsweisen haben ihre Konjunkturprognose korrigiert und gehen in diesem Jahr nur noch von einem Wachstum um 1,6 Prozent aus. Das teilte der Sachverständigenrat in seinem Gutachten an die Bundesregierung mit. Bislang hatten die Wirtschaftsweisen für 2018 mit einem Plus von 2,3 Prozent gerechnet. 2019 soll das Wirtschaftswachstum nur noch 1,5 Prozent (ursprünglich 1,8 Prozent) betragen. Die Neue Berliner Redaktionsgesellschaft und die Frankfurter Allgemeine Zeitung hatten zuerst darüber berichtet.

Als Gründe für den Abschwung gelten ein Mangel an Fachkräften, etwa beim Bau oder unter IT-Expertinnen. Im dritten Quartal haben außerdem massive Probleme der Autoindustrie mit dem neuen Abgasprüfverfahren WLTP das Wachstum gebremst. Zudem gibt es weltweit Risiken aufgrund von Handelskonflikten – etwa zwischen den USA und China sowie den USA und der EU. Ein geringeres globales Wachstum trifft auch die Exportnation Deutschland. Unsicherheit gibt es auch in Bezug auf Großbritannien, weil der Ausstieg des Landes aus der EU weiter unklar ist.

Maßnahmen gegen den Abschwung seien den Wirtschaftsweisen zufolge unter anderem eine vollständige Abschaffung des Solidaritätszuschlags und angesichts der hohen Immobilienpreise in vielen Städten eine Reform der Grund- und Grunderwerbsteuer sowie eine Stärkung des Wohngelds und des sozialen Wohnungsbaus. Nötig sei zudem ein Entgegentreten der EU gegen protektionistische Tendenzen. Dabei solle die Strategie auch Vergeltungsmaßnahmen innerhalb der Regeln der Welthandelsorganisation (WTO) umfassen – und den Abschluss neuer Freihandelsabkommen. Falls der Brexit nicht verhindert werden könne, solle ein Folgeabkommen angestrebt werden, das den Schaden für beide Seiten minimiere, empfehlen die Wirtschaftsweisen.

Die Bundesregierung hatte ihre Prognosen Mitte Oktober gesenkt. Sie rechnet im laufenden Jahr und auch 2019 mit einem Wachstum des Bruttoinlandsprodukts von 1,8 Prozent. Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) hob hervor, dass die deutsche Wirtschaft im kommenden Jahr in ihr zehntes Wachstumsjahr gehen werde. Der Aufschwung komme zunehmend bei den Bürgern an: Die Löhne stiegen, die Arbeitslosigkeit sinke.

Die fünf Mitglieder des Sachverständigenrats werden auf Vorschlag der Bundesregierung für jeweils fünf Jahre berufen. Ihr Jahresgutachten listet Empfehlungen auf. Diese sind für die Bundesregierung aber nicht bindend.