Die Arbeitnehmer und Arbeitnehmerinnen in Deutschland haben in den vergangenen Jahren zunehmend mehr Überstunden geleistet. Das geht aus der Antwort der Bundesregierung auf eine Anfrage der Linksfraktion im Bundestag hervor. Demnach stieg die Zahl der Überstunden pro Beschäftigten im Schnitt von 48 im Jahr 2016 auf 53,2 im vergangenen Jahr – ein Plus von fast elf Prozent. 2015 waren es noch 47,3 Überstunden. Nur rund die Hälfte der Überstunden pro Arbeitnehmer wurden bezahlt. Die Daten stammen vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg.

Die Linke-Arbeitsmarktpolitikerin Jessica Tatti sieht dringenden Handlungsbedarf. "Die Zahlen sind skandalös und legen offen, dass sich viele Arbeitgeber auf dem Rücken ihrer Beschäftigten bereichern", sagte sie der Rheinischen Post. Für Unternehmen zahle sich das aus. Allein im Jahr 2017 hätten sie über 36 Milliarden Euro gespart, weil die Beschäftigten Überstunden zum Nulltarif geleistet hätten.

Auch der Deutsche Gewerkschaftsbund (DGB) ist alarmiert. "Die Zahl der geleisteten Überstunden hat in 2017 ein unerträgliches Maß erreicht und bedeutet ein hohes gesundheitliches Risiko für die Beschäftigten", sagte DGB-Chef Reiner Hoffmann der Zeitung. Ein regelrechter Skandal sei die Tatsache, dass die Hälfte der Überstunden nicht bezahlt werde.