Wenige Tage, bevor neue Sanktionen gegen den Iran in Kraft treten, gehen die USA auf Verbündete zu. Zwar wolle die Regierung in Washington mit den neuen Strafmaßnahmen gegen iranische Ölexporte maximalen Druck auf die islamische Republik ausüben, Freunde und Verbündete, die vom Öl abhängig sind, sollten darunter aber nicht leiden, sagte der Nationale Sicherheitsberater der USA, John Bolton.

Bolton zeigte Verständnis dafür, dass einige Länder in der Region sowie andere Staaten die Lieferungen nicht umgehend auf null herunterfahren könnten. Aus diesem Grund erwäge die US-Regierung einstweilige Ausnahmen für die betroffenen Länder, wenn die Sanktionen am 5. November einsetzten.

Mit China, Indien und der Türkei haben sich drei der fünf größten Rohölabnehmer des Iran den US-Forderungen widersetzt, ihre Ölkäufe aus dem Iran vollständig einzustellen. Südkorea bat kürzlich um "maximale Flexibilität" für eine Ausnahmeregelung, um zu verhindern, dass Unternehmen in dem Land von den Sanktionen getroffen werden. Zudem sind Länder wie der Irak und Afghanistan von einigen Importen aus dem Iran abhängig.

Irans Präsident Hassan Ruhani versuchte am Mittwoch, die Iraner auf harte Zeiten vorzubereiten. "In den vergangenen Monaten hat unsere Bevölkerung schwierige Zeiten erlebt, und es ist möglich, dass auch die nächsten Monate schwierig werden", sagte Ruhani laut der Nachrichtenagentur Irib. Zudem versprach er, dass die Regierung ihr Bestes tun werde, um die Auswirkungen der US-Strafmaßnahmen zu lindern. Die Regierung fürchtet neue Unruhen. Die Lebenshaltungskosten im Iran sind in den vergangenen Monaten stark gestiegen, was bereits zu Demonstrationen geführt hat.

Pompeo mit Deutschland zufrieden

US-Außenminister Mike Pompeo zeigte sich zufrieden mit dem Verhalten der deutschen Wirtschaft im Iran. Die Bundesregierung habe zwar auch nach der Rückzugsankündigung von Kanzlerin Angela Merkel ihre Meinung nicht geändert und wolle am Atomabkommen mit dem Iran festhalten. "Aber fast jedes deutsche Unternehmen – Leute, bei denen richtig Geld auf dem Spiel steht – haben die entgegengesetzte Entscheidung getroffen", sagte Pompeo dem Sender Fox News.

"Sie sind geflohen", sagte Pompeo. "Sie haben das Land verlassen." Die deutschen Unternehmen hätten damit auf die amerikanischen Iran-Sanktionen reagiert. Er hoffe, dass mit der Zeit alle Länder Europas zu der Einsicht gelangten, dass der Iran Instabilität im Nahen Osten säe und jeder Druck nötig ist, um dagegenzuhalten.

US-Präsident Donald Trump hatte das internationale Atomabkommen mit dem Iran aufgekündigt und im Mai neue Wirtschaftssanktionen verhängt. Am Sonntag soll die nächste Stufe folgen. Die USA wollen damit die für den Iran wichtigen Ölexporte zum Erliegen bringen. So will Trump die islamische Republik zu Neuverhandlungen über ihr Raketen- und Atomprogramm sowie zu einem Politikwechsel zwingen. Er wirft der Führung in Teheran vor, Gewalt und Terror in der Region zu schüren, und zweifelt an ihrer Bereitschaft für einen Verzicht auf Atomwaffen.

Die Europäische Union (EU) will das Atomabkommen auch ohne die USA aufrechterhalten und arbeitet an Möglichkeiten, die Sanktionen zu umgehen. Eine Zweckgesellschaft soll die Bezahlung iranischer Exporte ermöglichen. Funktionieren soll dies als eine Art Tauschbörse. Dort könnte iranisches Öl gegen europäische Güter gehandelt werden, ohne dass Geld die Seiten wechselt.

Der Vizepräsident des Bundesverbandes der Deutschen Industrie (BDI), Thomas Bauer, hatte kürzlich kritisiert, dass EU-Hilfen für Unternehmen, die mit dem Iran Handel treiben, wirkungslos blieben. "Wenn die Amerikaner unser Geschäft in ihrem Land schließen, weil wir als Konzern im Iran Handel betreiben, dann kann uns die EU auch nicht helfen", sagte Bauer, der ein Tiefbau-Unternehmen leitet. "Der Hebelarm, den die Amerikaner haben, ist so stark, dass man nichts dagegen setzen kann."