Die von US-Präsident Donald Trump angedrohten Importzölle auf europäische und damit vor allem deutsche Autos könnten abgewendet werden – zumindest gehen die Spitzenmanager der großen deutschen Autokonzerne davon aus. "Wir haben einen großen Schritt nach vorne gemacht", sagte etwa VW-Chef Herbert Diess nach einem Treffen mit US-Präsident Donald Trump und weiteren Vertretern der US-Administration im Weißen Haus. Auch Daimler-Vorstandschef Dieter Zetsche sagte, nach seiner Einschätzung hätten die Gespräche die "potenzielle Bedrohung" durch neue US-Importzölle reduziert.

Bei ihrem Gespräch im Weißen Haus legten die Manager nach eigenen Angaben die bisherigen und möglichen künftigen Investitionen ihrer Unternehmen in Standorte und Produktion innerhalb der USA dar. So kündigte BMW – vertreten durch Finanzvorstand Nicolas Peter – weitere Investitionen in Höhe von 600 Millionen Dollar an. Diess wiederum stellte eine Partnerschaft mit dem US-Autobauer Ford in Aussicht. "Wir sind in ziemlich fortgeschrittenen Verhandlungen und Dialog mit Ford, um eine globale Autoallianz aufzubauen, die auch die amerikanische Autoindustrie stärken würde", sagte er.

Der VW-Chef sprach von einem "überzeugenden Investitionsprogramm", das sein Konzern in den USA vorlegen kann. "Der Präsident hat einen Punkt, wenn er uns überzeugen will, mehr zu investieren und wir sind bereit, mehr zu investieren", sagte Diess. Auch Zetsche sagte, Trump habe positiv auf seine vorgelegten Konzepte reagiert. Allerdings machte der Daimler-Chef zusätzliche Investitionen davon abhängig, dass die Konditionen für die Unternehmen die gleichen blieben. 

USA - VW verhandelt mit Ford über globale Allianz Volkswagen will durch eine internationale Partnerschaft Importzölle in den USA verhindern. Künftig könnte VW auch in den Werken des US-Herstellers Ford produzieren. © Foto: Axel Schmidt/Reuters

Ob die Automanager die von Trump angedrohten Strafzölle auf europäische Autoimporte von bis zu 25 Prozent tatsächlich verhindert können, bleibt allerdings offen. Trump lässt derzeit vom Handelsministerium prüfen, ob die Autoeinfuhren aus der EU den nationalen Sicherheitsinteressen der USA schaden. Noch kurz vor dem Treffen mit den Konzernverantwortlichen aus Deutschland hatte er getwittert: "Ich bin ein Mann der Zölle." Wenn andere Länder "den großen Wohlstand unserer Nation plündern" wollten, wolle er sie dafür bezahlen lassen.

Autos aus der EU werden in den USA bislang mit 2,5 Prozent Zöllen belegt. Umgekehrt sind es für US-Automobile in der EU zehn Prozent. Auf Lastwagen und Pick-ups erheben die USA allerdings 25 Prozent, während diese in den EU mit durchschnittlich 14 Prozent belegt werden.

Ein offizielles Mandat für Verhandlungen hatten die Autohersteller nicht. In Europa hat nur die EU-Kommission das Recht, mit anderen Staaten über Zölle zu verhandeln, weswegen der Besuch umstritten ist. Auch Bundeskanzlerin Angela Merkel hatte die Manager noch am Montag daran erinnert. Die Konzerne seien aber auch "große Arbeitgeber" in den USA – insofern hätten sie durchaus Grund, über Fragen von Investitionen und Zukunft mit der US-Regierung zu sprechen, sagte die scheidende CDU-Vorsitzende.