Die Angst vor zunehmenden Spannungen im Handelsstreit zwischen den USA und China haben den deutschen Aktienmarkt am Donnerstag stark belastet. Der Dax verzeichnete die größten Tagesverluste seit zweieinhalb Jahren. Auslöser war die Festnahme der Finanzchefin des chinesischen Smartphoneherstellers Huawei in Kanada. Die USA fordern ihre Auslieferung. Der Streit belastet die Börsen weltweit. Auch in Asien und in den USA fielen die Kurse.

Der Dax stürzte unter die Marke von 11.000 Punkte und erreichte am Vormittag mit 10.884 Zählern den niedrigsten Stand seit zwei Jahren. Im weiteren Tagesverlauf stieg er wieder etwas an, blieb aber unter der 11.000-Punkte-Marke. Am Ende des Tages fiel er um 3,5 Prozent und schloss mit knapp 10.811 Punkten.

Seit vergangenem Montag hat der Dax rund 5,5 Prozent verloren, im laufenden Jahr sogar um rund 15 Prozent. Der MDax der mittelgroßen Unternehmen fiel am Donnerstag um 2,46 Prozent auf 22.605,84 Zähler. Der Eurozonen-Leitindex EuroStoxx 50 sank um 2,3 Prozent.

In den USA fielen die Leitindizes Dow Jones, Nasdaq und S&P 500 zur Eröffnung am Donnerstag um jeweils etwa 1,5 Prozent.

Vorwürfe gegen Huawei

In westlichen Industriestaaten gibt es schon länger Vorwürfe gegen Huawaei. Man befürchtet, durch das Unternehmen könne die chinesische Regierung Einfluss ausüben, spionieren und die nationalen Netze stören.

Jetzt kommen neue, politisch brisante Vorwürfe hinzu: Die in Kanada festgenommene Managerin, Meng Wanzhou, soll Berichten zufolge gegen US-Sanktionen gegen den Iran verstoßen haben. Ähnliche Sanktionsverstöße brachten in der Vergangenheit bereits dem zweitgrößten chinesischen Netzwerkbauer ZTE scharfe Auflagen und ein zwischenzeitliches US-Lieferverbot ein. Meng ist die Tochter des Huawei-Gründers.

Wie das kanadische Justizministerium erst jetzt mitteilte, war Meng schon am Samstag nach Aufforderung der US-Behörden in Kanada festgenommen worden – also am gleichen Tag, an dem US-Präsident Donald Trump mit seinem chinesischen Kollegen Xi Jinping auf dem G20-Gipfel in Argentinien zusammengekommen war. Anleger hätten nach dem Treffen der beiden Politiker eigentlich auf Entspannung gehofft, sagte Chefstrategie Linus Yip vom Investmenthaus First Shanghai Securities. Entsprechend groß sei nun die Nervosität am Markt.

Huawei bestätigte die Festnahme und erklärte zugleich, keine Kenntnisse von Vergehen der Finanzchefin zu haben. Die chinesische Botschaft in Kanada forderte die umgehende Freilassung von Meng. Ein Sprecher des chinesischen Außenministeriums sagte, man habe Kanada wie auch die USA um Aufklärung gebeten, aber bislang sei keine "Klarstellung" erfolgt.