Britische Unternehmen haben vor den Folgen eines ungeordneten Brexit für die Wirtschaft gewarnt. Geschäfte jeder Größenordnung gerieten nun an einen Punkt, an dem es kein Zurück gebe, teilten die fünf größten Handelsvertretungsgruppen des Landes in einer gemeinsamen Erklärung mit. Die Unternehmen beobachteten mit Schrecken den Streit der Abgeordneten über das Brexit-Abkommen von Premierministerin Theresa May.

Angesichts dessen steige die Wahrscheinlichkeit eines No-Deal-Szenarios, eines ungeregelten Brexits Ende März 2019. In Vorbereitung darauf setzten nun viele Unternehmen Kontingenzpläne auf und pausierten oder verteilten Investitionen, die eigentlich "Produktivität, Innovationen, Jobs und Löhne" im Land schaffen sollten. Niederlassungen, Fabriken und damit auch Arbeitsplätze und Steuereinkünfte wanderten damit aus Großbritannien ab, hieß es.

Die Regierung intensiviere verständlicherweise ihre No-Deal-Planungen, "aber es ist klar, dass einfach nicht genug Zeit ist, um schwerwiegende Verrenkungen und Erschütterungen in nur 100 Tagen zu verhindern". Der künftige Kurs der Wirtschaft liege nun in den Händen der Abgeordneten. Die Erklärung wurde unter anderem von der britischen Handelskammer, dem britischen Industrieverband und dem Verband der Kleinunternehmen unterzeichnet.

Britische Regierung bereitet sich auf Brexit ohne Abkommen vor

Brexit-Minister Steve Barclay hatte am Dienstag nach einer Sitzung des Kabinetts erklärt, dass die britische Regierung ihre Vorbereitungen für einen EU-Austritt des Landes ohne Abkommen verstärken will. Zwar sei weiterhin ein Brexit-Vertrag das Ziel, allerdings müsse eine verantwortungsvolle Regierung sicherstellen, für einen ungeregelten Brexit bereit zu sein. Es müssten nun verstärkt Informationen an Unternehmen und in Großbritannien lebende EU-Bürger herausgegeben werden. Aber auch Unternehmen sollten Vorkehrungen treffen.

Britische Medien werteten den Schritt als Warnung an die Abgeordneten im Unterhaus und an die EU, dass es Großbritannien ernst meint und bereit ist, notfalls ohne Abkommen aus der Staatengemeinschaft auszutreten.

Schwächstes Wachstum seit der Weltwirtschaftskrise

Knapp 100 Tage vor dem geplanten EU-Austritt des Landes am 29. März ist noch immer nicht klar, wie Premierministerin Theresa May das ausgehandelte Abkommen durchs Parlament bringen will. Bei einem Auftritt im Unterhaus kündigte sie am Montag an, die verschobene Abstimmung über ihren Brexit-Deal in der dritten Januarwoche stattfinden zu lassen.

Nach Einschätzung der britischen Handelskammer bremst die Brexit-Unsicherheit schon jetzt die britische Wirtschaft spürbar. Für 2018 sei nur mit einem Wachstum des Bruttoinlandsproduktes von 1,2 Prozent zu rechnen, für 2019 dann von 1,3 Prozent, hatte die Wirtschaftsvereinigung zuletzt prognostiziert. Das wären die zwei schwächsten Jahre seit der Rezession nach der Weltwirtschaftskrise vor einem Jahrzehnt.