In einem internationalen Klimaschutzvergleich hat Deutschland weitere Plätze eingebüßt. Zu diesem Ergebnis kommen die Umweltschutzorganisationen Germanwatch und NewClimate Insitute in ihrem jährlichen Klimaschutz-Index, den sie während der Klimakonferenz im polnischen Katowice veröffentlichten.

Die Rangliste, die insgesamt 60 Staaten umfasst, sieht die Bundesrepublik auf Platz 27 – fünf Ränge tiefer als im Vorjahr, hinter Ländern wie der Slowakei, Rumänien oder Indien. Für Deutschland ist es die zweitschlechteste Platzierung in der 14-jährigen Geschichte des Index, begründet vor allem durch das seit 2009 gleichbleibend hohe Emissionsniveau und den nachlassenden Ausbau der erneuerbaren Energien.

Während der Iran, die USA und Saudi-Arabien die Rangliste beschließen, stehen Länder wie Schweden, Marokko und Litauen vorn. Die ersten drei Plätze ließen die Klimaforscher von Germanwatch und des NewClimate Institutes allerdings demonstrativ leer. Wie schon in den vergangenen Jahren sehen sie in keinem Land ausreichende Anstrengungen, um die Erderwärmung zu begrenzen und den Temperaturanstieg so global deutlich unter zwei Grad zu halten.

In der Gruppe der Länder mit einer mäßigen Leistung finden sich neben Deutschland auch Frankreich, Mexiko und Tschechien. Zu den als schlecht eingestuften Ländern zählen Staaten wie Russland, Indonesien, Österreich und Neuseeland sowie Südkorea und Taiwan, die allesamt eine schlechte oder sehr schlechte Bewertung in fast allen Kategorien erhalten haben. In der Kategorie "gut" liegt hingegen die gesamte EU, der die Klimaforscher gute Noten für eine engagiertere Klimapolitik ausstellen.

In dem Bericht, der die vier Bereiche Emissionen, Energieverbrauch, erneuerbare Energien und Klimapolitik bewertet, attestieren die Umweltschutzorganisationen der Staatengemeinschaft eine "sehr zögerliche" Umsetzung der Klimaziele von Paris. "Nach drei Jahren stagnierender Emissionen steigt der CO2-Ausstoß weltweit wieder an", heißt es. Die Autoren gehen von einem Plus von 1,6 Prozent im Jahr 2017 aus. Zugleich sei der weltweite Energieverbrauch um 2,2 Prozent gestiegen – die Kohleproduktion habe erstmals seit 2013 wieder zugenommen.

Gleichwohl attestieren die Autoren deutliche Fortschritte beim Ausbau erneuerbarer Energien. "Es gibt ermutigende Zeichen, dass die weltweite Energiewende auf dem Weg ist", schreiben sie. 2017 sei das Jahr mit dem weltweit größten Anstieg in der Produktion erneuerbarer Energien gewesen, 64 Prozent der neuen Kapazitäten allein in Asien. 

Für Deutschland fordert der Bericht insbesondere eine andere Verkehrspolitik und den Ausstieg aus der Kohle. Aufgeführt werden drei große Herausforderungen: Erstens müssten die systemischen Fragen der Energiewende gelöst werden. "Der Um- und Ausbau von Netzen, Nachfragemanagement sowie Speicher müssen deshalb eine zentrale Rolle spielen." Zweitens müsse der Kohleausstieg im Rahmen eines fairen Strukturwandels bis zirka 2030 vollzogen werden, gemeinsam mit einem entsprechend fortgeführten Ausbau der erneuerbaren Energien. Und drittens müsse die Wende im Verkehrssektor in Richtung CO2-Reduktion vorangetrieben werden. 

Für die Klimaforscher ist klar: "Deutschland braucht einen Mix von Instrumenten – aber ohne einen Preis für den CO2-Ausstoß in allen Sektoren wird eine rechtzeitige und kosteneffiziente Transformation nicht gelingen."