Bei der UN-Klimakonferenz in Katowice ist die Bundesregierung für ihre Klimaschutzpolitik getadelt worden. Deutschland bekam am Rande der Konferenz den Negativpreis "Fossil des Tages" der internationalen Klimabewegung Climate Action Network verliehen. Das Netzwerk begründete dies mit dem Verfehlen der deutschen Klimaziele, dem verzögerten Kohleausstieg und der Weigerung, ehrgeizigere Klimaziele bis 2030 mitzutragen. "Wenn Deutschland als größte europäische Volkswirtschaft nicht handelt, steht die Gesamtheit der EU-Ziele auf dem Spiel", heißt es auf der Website des Unternehmens.   

Die Bundesregierung hat bereits eingeräumt, ihre bis 2020 gesetzten Klimaziele nicht einzuhalten. Für Kritik sorgt zudem, dass die große Koalition noch keinen Zeitplan für den Ausstieg aus der Kohleverstromung vorgelegt hat.

"Die Bundesregierung hat die Hausaufgaben nicht gemacht und dafür nun die denkbar schlechteste Note bekommen", sagte die Expertin des Bundes für Umwelt und Naturschutz Deutschland (BUND) für internationale Klimapolitik, Ann-Kathrin Schneider. Das Hinauszögern der Abschaltung von Kohlekraftwerken verärgere die Klimaaktivisten in Katowice immer mehr. Deutschland stehe in der Schmuddelecke. Um die Klimakrise zu bewältigen, müsse Deutschland "schnell die dreckigsten und ältesten Kohlekraftwerke abschalten und bis 2030 aus der Kohleverstromung aussteigen."

Auch die Klima-Allianz, ein Zusammenschluss von Nichtregierungsorganisationen, teilte mit, Deutschland werde ohne einen schnellen Kohleausstieg seine Ziele nicht erreichen können.

Das "Fossil des Tages" wird während der Klimakonferenz täglich an ein Land vergeben, das sich durch schlechten Klimaschutz oder destruktives Verhalten während der Verhandlungen ausgezeichnet hat. Am Donnerstag war die von Saudi-Arabien und Kuwait angeführte arabische Verhandlungsgruppe ausgezeichnet worden, davor Brasilien und Polen.