Der 1,5-Grad-Bericht des Weltklimarates, der im Herbst veröffentlicht wurde, hat es noch einmal deutlich gemacht: Wenn wir die Klimakrise aufhalten wollen, müssen wir uns beeilen – und wir müssen unsere Lebensweise ganz grundlegend verändern. Kann uns das überhaupt noch gelingen? Ja, sagt Johan Rockström, Direktor des Potsdam-Instituts für Klimafolgenforschung. Ein Plädoyer für Optimismus in Zeiten der Klimakrise.

Das Gute am Klimawandel ist, dass er menschgemacht ist. Er verstärkt Extremereignisse – allein 2018 die verheerenden Waldbrände in Kalifornien, den Wirbelsturm Michael in Mexiko, Hitze und Fluten in Japan, den stärksten Monsun in Indien seit einem halben Jahrhundert. Aber er selbst ist keine Naturkatastrophe. Anders als ein Erdbeben, auf das man sich nur möglichst gut vorbereiten kann, lässt sich der Klimawandel tatsächlich von uns stoppen.

Natürlich kann man düster und leider korrekt den Schluss ziehen, dass auch das kommende Jahr wahrscheinlich wieder gefährliche Wetterextreme bringen wird. Der Ausstoß an Treibhausgasen steigt und steigt. Immer neue Temperaturrekorde werden verzeichnet. Aber bei allem Negativen der globalen Erwärmung ist das aus meiner Sicht das fundamental Positive: Wir haben es selbst in der Hand, wie unsere Zukunft und die unserer Kinder aussieht. 

Nur Zyniker leugnen die Chancen

Das neue Jahr bietet die Chance, die Welt zu verändern. Wer das leugnet, ist einfach nur ein Zyniker. Wissenschaftliche Forschung und technologische Innovation schreiten mit Riesenschritten voran – wir wissen, was wir tun müssen, wenn wir unser Klima wirksam stabilisieren wollen, nämlich: bis 2030 unseren Ausstoß an Treibhausgasen halbieren.

Wir wissen auch, wie das zu schaffen ist: durch den Ausbau erneuerbarer Energien, die längst ebenso wirtschaftlich sind wie fossile Energien, jedenfalls wenn man die Kosten der Schäden an Umwelt und Gesundheit miteinberechnet. Mit einer gesunden Ernährung statt Billigfleisch. Mit reichweitenstarken, bezahlbaren Elektroautos, an denen die Industrie längst intensiv arbeitet. Die Wende zu nachhaltigem Wachstum ist möglich.

Damit diese Wende gelingt, braucht es aber mutiges Handeln. Die Gelegenheit dazu ist da. Bereits Anfang Februar wird die von der Bundesregierung eingesetzte Kohlekommission ihre Empfehlungen vorlegen. Sie kann damit den Weg aus der Kohle weisen, rein in saubere Technologien. Auch hier können Zyniker einwenden: Vielleicht beschließt das Gremium nur Stückwerk, und am Ende bekommen die Energiekonzerne Steuermilliarden für einen Ausstiegsplan, der für die Stabilisierung unseres Klimas viel zu langsam ist.

Vorbild Kohlekommission

Vielleicht. Aber die Welt schaut auf die Kohlekommission. Das war auch beim UN-Klimagipfel im polnischen Katowice kurz vor Weihnachten deutlich: Deutschland kann für andere Kohleländer wirklich ein Vorbild sein. Handeln wir entschlossen, so tun das andere auch, und den Nutzen haben am Ende wir alle.

In Katowice hat sich ein Zusammenschluss vieler ehrgeiziger Länder – die sogenannte High Ambition Coalition mit Frankreich, Deutschland, überhaupt vielen EU-Staaten, aber auch Kanada und Costa Rica, für ein Nachjustieren der bestehenden Pläne zur Reduktion der Emissionen ausgesprochen. Wenn diese Länder das 2019 angehen, weit über die deutsche Kohlekommission hinaus, kann das viel bewirken. Das Regelbuch, das Emissionen und damit auch die Bemühungen zu deren Verringerung weltweit vergleichbar macht, wurde beim UN-Gipfel beschlossen. Auch hier gilt also: Die Möglichkeiten sind da.

Natürlich regieren in den USA und bald auch in Brasilien zwei Präsidenten, die ohne Rücksicht auf das Morgen Ressourcen plündern und die Forschung ignorieren wollen. Aber der größte Teil der Welt – China und Indien, die EU ohnehin – ist auf einem ganz anderen Weg.

Tun wir es!

Klimaökonomen wie Ottmar Edenhofer (mit dem gemeinsam ich das Potsdam-Institut leite) schlagen schon lange einen CO2-Mindestpreis vor. Wenn eine Pionierkoalition in Europa ihn einführte, wobei die Einnahmen sozial gerecht an die Menschen wieder zurückgegeben werden müssten – etwa durch Steuersenkungen oder Investitionen in Infrastruktur oder auch durch Weihnachtsschecks – dann ließe sich dieses System mit dem Emissionshandel anderswo verknüpfen, zum Beispiel in China und Kalifornien, das für sich genommen immerhin die fünftgrößte Volkswirtschaft der Welt ist.

All diese Möglichkeiten können wir nutzen. Aber wir müssen es eben auch tun. In meiner Heimat Schweden müssen die Schulbücher umgeschrieben werden, weil der bislang höchste und eisbedeckte Gipfel durch die sommerliche Rekordhitze, wie es sie auch in Deutschland gab, etwas abgeschmolzen ist und an Höhe verloren hat. Er ist nur noch der zweithöchste Gipfel.

Das ist kein Drama. Aber es zeigt: Unser Handeln bestimmt, was in den Schulbüchern, ja in den Geschichtsbüchern von morgen steht. Wird dort stehen, Deutschland und Europa haben 2019 die Klimawende gestartet? Tun wir es! Unsere Kinder werden stolz auf uns sein.