Das Thema Wohnen ist eine der großen sozialen Fragen unserer Zeit. ZEIT ONLINE beschäftigt sich schwerpunktmäßig mit der Lage auf dem deutschen Wohnungsmarkt. Diese Deutschlandkarte ist Teil der Reihe.

Nicht mehr als 30 Prozent des Einkommens soll man für die Miete ausgeben, heißt es oft. Die Frage ist nur: Wer kann sich das aussuchen? In Frankfurt am Main und in der Nachbarstadt Offenbach zahlen Mieterinnen und Mieter durchschnittlich 35 Prozent ihres Einkommens für ein warmes Zuhause, zeigt unsere Deutschlandkarte. Dahinter folgen mit Freiburg, Augsburg und München drei Städte in Süddeutschland. Knapp ein Drittel ihres Einkommens müssen die Mieter auch in Berlin, Potsdam, Mainz, Jena und Köln hinlegen.

Das Verhältnis von Miete zu Einkommen, auch Mietbelastung genannt, ist offensichtlich dort besonders schlecht, wo viele Menschen wohnen: Die hohe Nachfrage treibt die Preise. Auffällig ist aber auch die relativ hohe Mietbelastung im eher dünn besiedelten Brandenburg und Mecklenburg-Vorpommern. Das könnte zum Teil an den niedrigen Einkommen liegen, oder – in den direkt an Berlin angrenzenden Landkreisen Brandenburgs – am Speckgürtel um Berlin.

Ein Beispiel: Die höchste Mietbelastung in Mecklenburg-Vorpommern tragen die Einwohner des Landkreises Vorpommern-Greifswald, direkt an der Grenze zu Polen gelegen: Sie geben durchschnittlich 26,7 Prozent ihres Einkommens für die Miete aus. Ihr Einkommen pro Person ist mit durchschnittlich 1.442 Euro so niedrig wie nirgendwo sonst im Bundesland – die Warmmiete je Quadratmeter liegt aber trotzdem bei 9,70 Euro. Im Vergleich zu Großstädten wie Berlin mag das wenig erscheinen. Aber in anderen Landkreisen Mecklenburg-Vorpommerns, wo die Einkommen höher ausfallen, sind die Mieten eben noch niedriger. Warum das so ist, geht aus den Daten nicht hervor. Womöglich spielt die Grenzlage des Landkreises eine Rolle, manche Regionen an der Grenze verzeichnen einen Zuzug von Polinnen und Polen, weil diese sich wiederum die Mieten im eigenen Land nicht mehr leisten können.

Die Karte ist allerdings nur eine Momentaufnahme. Um herauszufinden, ob Wohnen in Deutschland zuletzt wirklich so viel teurer geworden ist, wie es scheint, haben Wissenschaftler des arbeitgebernahen Instituts der deutschen Wirtschaft (IW) die Entwicklung der vergangenen fünf Jahre untersucht. Dafür setzten sie für alle 401 deutschen Kreise und kreisfreien Städte die durchschnittlichen Nettoeinkommen ins Verhältnis zu den Kaltmieten. Sie rechneten also ein wenig anders; ZEIT ONLINE hat für diese Karte mit der Warmmiete gerechnet. Dem IW zufolge gibt ein Durchschnittsverdiener oder eine Durchschnittsverdienerin monatlich rund 26 Prozent des Nettoeinkommens für die Kaltmiete aus.

Das zentrale Ergebnis der Ökonomen: Zwar sei Wohnen in einigen Städten "durchaus teurer geworden". Aber: "Die Entwicklung ist nicht so eindeutig, wie viele glauben."

Zwar seien die Mieten und Immobilienpreise in den vergangenen Jahren vor allem in den Ballungsräumen stark gestiegen, aber eben auch die durchschnittlichen Löhne und Gehälter. In zwei Dritteln der untersuchten Regionen – beispielsweise in einigen Gegenden Thüringens, aber auch in Hamburg, Frankfurt am Main, Köln und Düsseldorf – seien die Kaltmieten relativ zum Nettolohn nicht teurer geworden, sondern sogar günstiger. Voraussetzung sei allerdings, dass man "an der allgemeinen Lohnentwicklung partizipiert". Sprich: Die Durchschnittswerte gelten eben nicht für alle.