Die USA und China haben eine vorläufige Einigung in ihrem seit Monaten laufenden Handelskonflikt erzielt. Die USA wollen neue Zölle gegen China für 90 Tage aussetzen. Eine für den 1. Januar angedrohte Anhebung bisheriger Importzölle in Höhe von 10 auf 25 Prozent soll vorerst ausbleiben, teilte das Weiße Haus mit. Sollte es nach den nun angesetzten 90 Tagen keine Einigung geben, werde es zur Anhebung der Zölle kommen.

Auch das chinesische Staatsfernsehen CGTN berichtete über die Annäherung bei dem Abendessen von US-Präsident Donald Trump mit Chinas Staats- und Parteichef Xi Jinping im Anschluss an den G20-Gipfel in Buenos Aires. Xi und Trump saßen mit kleineren Delegationen fast zweieinhalb Stunden zusammen. Nach Informationen der englischsprachigen chinesischen Zeitung South China Morning Post soll es am Ende des Essens der beiden Staatsmänner Applaus der Delegationsmitglieder gegeben haben.

China erklärte sich nach Angaben des Weißen Hauses dazu bereit, mehr amerikanische Güter zu kaufen, unter anderem landwirtschaftliche Produkte. "Es war ein tolles und produktives Treffen mit unbegrenzten Möglichkeiten sowohl für die USA als auch für China", wurde Trump in der Mitteilung des Weißen Hauses zitiert. "Es ist mir eine große Ehre, mit Präsident Xi zusammenzuarbeiten."

"Positive und konstruktive Gespräche"

Die nun geplanten weiteren Verhandlungen sollen sich mit "strukturellen Veränderungen" hinsichtlich zwangsweiser Technologietransfers, Urheberrechtsschutzes, Marktbarrieren, Cyberattacken, Dienstleistungen und Landwirtschaft beschäftigen, teilte eine Sprecherin des Weißen Hauses mit. Chinas Außenminister Wang Yi bestätigte die Vereinbarung, erwähnte aber die Frist von 90 Tagen nicht. Ziel der Verhandlungen sei es, alle verhängten Sonderabgaben zu beseitigen. Wang Yi sprach von einer "wichtigen gemeinsamen Übereinkunft und "sehr positiven und konstruktiven" Gesprächen.

Trump und Xi waren am Rande des G20-Gipfels zusammengekommen, um im seit Monaten geführten Handelsstreit einen Kompromiss zu finden. Xi verwies zu Beginn der Gespräche auf eine gemeinsame Verantwortung der beiden größten Volkswirtschaften für Wohlstand und Frieden in der Welt. Die Begegnung sah er als gute Gelegenheit an, um Ideen auszutauschen. Trump hatte sich optimistisch gezeigt, dass etwas erreicht werden könne, was "gut für China und gut für die Vereinigten Staaten" sein werde.

Nach Einschätzung des Internationalen Währungsfonds drückt der Handelsstreit bereits auf das Wachstum beider Länder. Die USA haben China mit Sonderzöllen auf Waren im Wert von insgesamt 250 Milliarden Dollar überzogen. China reagierte mit Vergeltungszöllen im Wert von 60 Milliarden Dollar. Als Minimalziel hatte gegolten, die von den USA angekündigte Erhöhung eines Teils der Zölle von bisher 10 auf dann 25 Prozent abzuwenden.

Xi Jinping sagte dem amerikanischen Präsidenten außerdem zu, das in den USA jährlich für den Tod Zehntausender Menschen verantwortliche Opioid Fentanyl als kontrollierte Substanz dem Betäubungsmittelgesetz zu unterwerfen. Das teilte das Weiße Haus mit. Die USA haben seit Langem auf diese Einordnung gedrängt, da das meiste Fentanyl in den USA aus chinesischer Produktion stammt. Die Sprecherin des Weißen Hauses, Sarah Sanders, sagte, durch Xis Zusage würden künftig Personen, "die Fentanyl in den USA verkaufen, der gesetzlichen chinesischen Höchststrafe" unterworfen.

Das synthetische Opioid Fentanyl wird in der Medizin als Mittel zur Behandlung akuter und chronischer Schmerzen sowie in der Anästhesie eingesetzt. Es ist 50-mal stärker als Heroin und fällt in vielen Ländern unter Betäubungsmittel- oder Suchtmittelgesetze.