Oliver Krischer will den Menschen in Deutschland ans Portemonnaie – um es leichter zu machen. Der stellvertretende Fraktionschef der Grünen im Bundestag fordert ein Aus für die Ein- und Zwei-Cent-Münzen. "Die Münzen sind komplett überflüssig und hauptsächlich ein Ärgernis in der Geldbörse", sagte er der Saarbrücker Zeitung. Die Bundesbank solle sich ein Vorbild an EU-Staaten wie Finnland oder Irland nehmen, wo die kleinen Münzen nicht mehr geprägt werden.

Der Grünen-Politiker argumentiert zudem, es koste zu viel Geld und zu viel Energie, die Münzen herzustellen. Laut Krischer kostet die Prägung von einem Cent gut 1,65 Cent – also mehr, als die Münze hinterher wert ist. Nach einer Antwort des Finanzministeriums auf eine Anfrage der Grünen wurden 2018 in Deutschland rund 453 Millionen Ein-Cent-Stücke und 479 Millionen Zwei-Cent-Stücke geprägt. Das bedeutet laut Saarbrücker Zeitung, dass in den vergangenen drei Jahren für die Münzen 416 Tonnen Kupfer und 7.026 Tonnen Stahl benötigt wurden. Für Krischer ist das "eine große Verschwendung an Geld, Metallen und Energie".

In einigen Euroländern ist es üblich, dass in Supermärkten und anderen Geschäften Preise so gerundet werden, dass keine Ein- und Zwei-Cent-Münzen mehr nötig sind. Krischer rief dazu auf, es in Deutschland genauso zu halten. Ein erster Versuch dazu in Nordrhein-Westfalen war allerdings gescheitert: Anfang 2016 hatte Kleve am Niederrhein versucht, sich vom Kleinstgeld zu trennen. Viele Einwohnerinnen und Einwohner kennen die Praxis, dass an der Kasse gerundet wird, bereits aus den nicht weit entfernten Niederlanden.

So sollte es nun auch in Kleve sein, beschlossen die Einzelhändler der Stadt – freiwillig, ohne gesetzliche Regelung. "Kleve schafft als erste Stadt in Deutschland das Kleingeld ab", titelte damals die Neue Rhein Zeitung. Anderthalb Jahre später klang die Berichterstattung ganz anders: Das Experiment sei gescheitert, weil Kunden weiterhin ihre Ein- und Zwei-Cent-Münzen loswerden wollten und viele Händler es leid waren, die Sache mit dem Runden immer wieder zu erklären. Andere Städte, die sich dem Projekt anschließen wollten, fanden sich nicht.

Laut Bundesfinanzministerium ist in Deutschland das Zahlen mit Bargeld beliebter als anderswo. Auch zu den Ein- und Zwei-Cent-Münzen habe die Mehrheit der Deutschen ein gutes Verhältnis, schreibt das Ministerium und begründet das mit einem alten Sprichwort: "Wer den Pfennig nicht ehrt, ist des Talers nicht wert."