Nach der Kritik einer Gruppe deutscher Lungenärzte an den Grenzwerten für Stickoxid, hat Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer einem Medienbericht zufolge von der EU-Kommission gefordert, die Werte zu überprüfen. Die Bild-Zeitung berichtet, dass Scheuer darin auf den "daraus resultierenden Diskussionsprozess" verweise. Die Rechtfertigung der "im Kontext des Programms zur Sauberen Luft ergriffenen Maßnahmen" werde angezweifelt.

Die Ärzte hatten vergangene Woche die Feinstaub- und Stickoxidgrenzwerte infrage gestellt. Für die aktuellen Grenzwerte gebe es ihren Untersuchungen nach keine wissenschaftliche Begründung. Mit dieser Kritik haben die Mediziner die Frage aufgeworfen, wie gesundheitsgefährdend die Luftverschmutzung durch Stickoxide tatsächlich ist. Viele Fachkollegen und internationale Ärzte widersprachen dieser Ansicht.

Scheuer erachte es laut dem Bericht zur "Gewährleistung unserer Mobilität" als dringend erforderlich, dass sich die Europäische Kommission auf geeignete Weise mit den vorgebrachten Zweifeln auseinandersetze und eine Neubewertung der Grenzwerte prüfe.

Scheuer forderte, die Debatte insgesamt "auf der Basis zutreffender Fakten und anerkannter wissenschaftlicher Methoden zu versachlichen". Er wolle das Thema spätestens beim EU-Verkehrsministerrat am 6. Juni aufgreifen. 

Zahlreiche deutsche Städte liegen über Grenzwerten

Stickoxide - Grenzwertüberschreitungen in mindestens 23 Städten Im vergangenen Jahr war die Stickoxid-Belastung in zahlreichen deutschen Städten höher, als es gemäß EU-Gesetzen zulässig ist. In Stuttgart wurde die höchste Grenzwertüberschreitung gemessen. © Foto: Bernd Weissbrod/dpa

Aus einer aktuellen Bilanz des Umweltbundesamts geht hervor, dass der EU-Grenzwert 2018 in mindestens 35 deutschen Städten überschritten wurde. Für 28 weitere Städte sind die Daten noch nicht verfügbar. Der Stickstoff stammt zu einem großen Teil aus Dieselabgasen und ist der Grund für Dieselfahrverbote. 

Insgesamt hat die Luftverschmutzung durch Dieselabgase aber abgenommen, im Schnitt um etwa zwei Mikrogramm pro Kubikmeter. Der seit 2010 verbindliche NO2-Grenzwert in der EU liegt bei 40 Mikrogramm pro Kubikmeter Luft im Jahresmittel. Die höchste Belastung hat Stuttgart mit 71 Mikrogramm pro Kubikmeter, gefolgt von München mit 66 Mikrogramm.