Das chinesische Bruttoinlandsprodukt ist im vergangenen Jahr so gering gestiegen wie seit 28 Jahren nicht mehr. Dies geht aus Daten des nationalen Statistikamtes hervor, die die Behörde an diesem Montag veröffentlicht hat. Demnach wuchs die zweitgrößte Volkswirtschaft der Welt um 6,6 Prozent – und lag damit zwar über der Regierungsprognose von 6,5 Prozent, aber unter den 6,8 Prozent des Vorjahres.

Dem liegen mehrere Ursachen zugrunde. Zum einen setzt die chinesische Regierung auf ein langsameres und selbsttragendes Wachstum. Außerdem beschränkte sie größere Infrastrukturprojekte, um so die hohe Staatsverschuldung einzudämmen. Zusätzlich verschärften Regulierungsbehörden Ende 2017 Kontrollen bei der Kreditvergabe von Banken.

"Die Stimmungslage im Land hat sich grundsätzlich verändert", sagte Max Zenglein, Leiter des Wirtschaftsprogramms am China-Institut Merics. Das mache sich sowohl in einer größeren Zurückhaltung aufseiten der Konsumenten als auch aufseiten privater Unternehmen bemerkbar, die weniger investierten.

Chinesische Regierung plant Konjunkturstützen

Außerdem befindet sich China in einem Handelskonflikt mit den USA, in dem eine weitere Eskalation droht, sollten sich beide Staaten bis zum 1. März nicht einigen können. "Der Handelskrieg macht sich derzeit vor allem in einer wachsenden Unsicherheit bemerkbar", sagt Merics-Ökonom Zenglein. Schwächelnde Exporte und Zurückhaltung bei Investitionen wirkten sich bereits auf das Wachstum aus. "Richtig ernst dürfte es aber erst werden, wenn es bis März keine Lösung gibt und es zu weiteren Zollerhöhungen kommt."   

Anleger und Analysten befürchten, dass die Abschwächung in der Volksrepublik die gesamte Weltwirtschaft in Mitleidenschaft zieht. Auch die exportabhängige deutsche Wirtschaft könnte leiden, vor allem die deutschen Autohersteller.

Allerdings hatte das KP-Regime in Peking bereits Gegenmaßnahmen angekündigt – vor allem Steuererleichterungen für Haushalte und Unternehmen. Experten erwarten weitere Konjunkturstützen der Regierung. "Es wird zusätzliche Impulse geben", sagte Analystin Christy Tan von der National Australia Bank in Singapur. "Es ist noch nicht die Zeit sich zurückzulehnen."

Nach Informationen der Nachrichtenagentur Reuters wird die chinesische Regierung für das laufende Jahr ein niedrigeres Wachstumsziel ausgeben. Angestrebt wird demnach eine Spanne von 6,0 bis 6,5 Prozent. Analysten erwarten im Schnitt eine Abschwächung auf 6,3 Prozent.

Bevölkerungsrückgang ab 2029 erwartet

Neben dem Rückgang des Wirtschaftswachstum verzeichnet China zudem ein verlangsamtes Bevölkerungswachstum. Zum Jahresende lebten in China 1,395 Milliarden Menschen, 15 Millionen mehr als ein Jahr zuvor. 2017 und 2016 war die Bevölkerung jeweils um 17 Millionen gewachsen, nachdem das Land die Ein-Kind-Politik abgeschafft hatte.

Die chinesische Regierung prognostiziert, dass die Einwohnerzahl 2029 einen Höchststand von 1,442 Milliarden erreichen und ab dem darauffolgenden Jahr sinken wird. In Indien, dem zweitbevölkerungsreichsten Land der Erde, leben nach Schätzungen der Vereinten Nationen 1,362 Milliarden Menschen.