Mehrere britische Unternehmen bereiten sich auf einen Brexit ohne Abkommen vor. Unter anderem kündigte die Fluglinie easyJet Maßnahmen an. Ziel sei es, den paneuropäischen Flugbetrieb für den Fall eines ungeregelten Austritts Großbritanniens aus der EU zu sichern, teilte das Unternehmen mit.

EasyJet versucht dazu, einen Teil seiner Aktionäre aus Großbritannien und anderen Ländern außerhalb des Europäischen Wirtschaftsraums loszuwerden. Chef Johan Lundgren will damit sicherstellen, dass die Fluggesellschaft spätestens am 29. März mehrheitlich Eignern aus dem EU-Wirtschaftsraum gehört. Dies gilt als Voraussetzung dafür, dass eine Airline auf Strecken innerhalb der EU fliegen darf. 

Die britische Premierministerin Theresa May hatte über Monate mit der Europäischen Union ein Austrittsabkommen ausgehandelt, das aber Mitte Januar im Parlament mit breiter Mehrheit abgelehnt wurde. Eine grundlegend neue Strategie für den EU-Austritt legte sie bisher nicht vor. Forderungen nach einem zweiten Brexit-Referendum wies sie ebenso zurück wie eine Verschiebung des für den 29. März geplanten Austritts. Im Falle eines ungeregelten Brexits drohen gravierende Konsequenzen für Großbritannien und Teile der Wirtschaft in den EU-Anrainerstaaten.

Großbritannien - Theresa May stellt neuen Brexit-Plan vor Die britische Premierministerin hat im Unterhaus ihren Plan B für den EU-Austritt präsentiert. Kritisch ist weiterhin die Grenzsituation zwischen dem EU-Mitglied Irland und der britischen Provinz Nordirland. © Foto: Jack Taylor/Getty Images

Reederei will Fähren in Zypern registrieren

Die britische Reederei P&O kündigt an, ihre noch in Großbritannien registrierten vier Fähren vor dem Brexit in Zypern anzumelden. Das Unternehmen hofft, dadurch die EU-Steuerregeln weiter anwenden zu können. Bereits im Dezember hatte P&O angekündigt, zwei zwischen Frankreich und Großbritannien verkehrende Fähren in Zypern registrieren zu lassen. Sie sind inzwischen im zyprischen Limassol eingetragen.

So geht es weiter mit dem Brexit

Premierministerin Theresa May hat im Unterhaus ihre weitere Vorgehensweise zum Brexit vorgestellt. Die Grafik zeigt, was nun passieren könnte.

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Der britische Autohersteller Bentley warnte, ein ungeregelter Brexit könnte verhindern, dass das Unternehmen in diesem Jahr erstmals wieder Gewinne erwirtschaftet. Bentley sei Firmenchef Adrian Hallmark zufolge auf dem Weg zurück in die schwarzen Zahlen. "Wenn wir einen harten Brexit bekommen, würde uns das dieses Jahr treffen, weil wir wirklich eine Chance haben, über eine schwarze Null hinaus die Trendwende zu schaffen", sagt Hallmark der Nachrichtenagentur Reuters.

Staubsaugerhersteller verlegt Hauptsitz nach Singapur

Der britische Staubsaugerhersteller Dyson kündigte an, seinen Hauptsitz nach Singapur zu verlegen. Das Unternehmen betonte aber, das nicht der bevorstehende Brexit der Grund sei, sondern vor allem die zunehmende Bedeutung Asiens für das Geschäft des Staubsaugerherstellers. In Asien befänden sich inzwischen eine wachsende Mehrheit der Dyson-Kunden und alle Produktionsstandorte, hieß es. Firmengründer James Dyson galt zwischenzeitlich als prominenter Befürworter des Austritts Großbritanniens aus der Europäischen Union.

Viele britische Wirtschaftsvertreter warnen seit Langem vor den Folgen eines EU-Austritts ohne Abkommen. Im Falle eines ungeregelten EU-Austritts wären die Briten von einem Tag auf den anderen nicht mehr Teil unzähliger Verträge und Vereinbarungen. Vor allem stünden sie ohne Freihandelsabkommen da, die die EU für ihre Mitgliedsländer abgeschlossen hat. Der Handel müsste nach den Regeln der Welthandelsorganisation ablaufen. Das bedeutet, dass die Außenzölle der EU für Großbritannien als Drittstaat gelten würden. Gleichzeitig wären sofort Zoll- und Grenzkontrollen fällig, etwa in den Häfen Dover und Calais. 

Sowohl die EU als auch Großbritannien haben allerdings Vorkehrungen getroffen, um das Schlimmste zu vermeiden. Großbritannien wird sofort einseitig und freiwillig zahlreiche EU-Regulierungen einhalten, um weiterhin mit dem EU-Binnenmarkt handeln zu können. In wichtigen Bereichen, wie dem Flugverkehr und der Medizinversorgung, bahnt sich eine Einigung mit der EU an.