Der Leitzins im Euroraum bleibt unverändert bei null Prozent. Das entschied der Rat der Europäischen Zentralbank (EZB). Banken können sich somit weiterhin Geld zum Rekordniedrigzins leihen. Dabei werde es der EZB zufolge auch bis "mindestens über den Sommer" bleiben.

Angesichts zunehmender Konjunkturrisiken rechnen Volkswirte damit, dass die EZB erst im Jahr 2020 den Leitzins erhöhen wird. Unter anderem belastet der Handelskonflikt zwischen China und den USA den Welthandel. Das chinesische Wirtschaftswachstum fiel im vergangenen Jahr auf den niedrigsten Stand seit fast zehn Jahren. Zudem drohen in Europa durch einen möglichen ungeordneten EU-Austritt Großbritanniens wirtschaftliche Unsicherheiten.

Nach Einschätzung von EZB-Präsident Mario Draghi ist die Wachstumsdynamik auf kurze Sicht wahrscheinlich schwächer als zunächst gedacht. "Die andauernden Unsicherheiten, insbesondere in Bezug auf geopolitische Faktoren und die Bedrohung durch den Protektionismus lasten auf dem Wirtschaftsklima", sagte Draghi. Die zuletzt veröffentlichten Daten seien schlechter als erwartet ausgefallen. Es herrsche jedoch Einigkeit im EZB-Rat, dass die Wahrscheinlichkeit einer Rezession gering sei.

Schwächere Inflation im Euroraum

Im Dezember schwächte sich auch die Inflation im Euroraum ab. Die Verbraucherpreise lagen nach Eurostat-Berechnungen um 1,6 Prozent über dem Niveau des Vorjahresmonats. Damit fiel die Teuerung auf den tiefsten Wert seit April. Die EZB strebt aber mittelfristig eine Inflationsrate von knapp unter 2,0 Prozent an.

Dauerhaft niedrige oder gar sinkende Preise könnten Unternehmen und Verbraucher dazu bringen, weniger Geld auszugeben und Investitionen aufzuschieben. Das könnte die Konjunktur bremsen. Mit ihrer Zinspolitik will die EZB die Konjunktur antreiben und für einen Anstieg der Teuerung sorgen.

EZB beendete Anleihekäufe

Die EZB nutze zudem in den vergangen Jahren Anleihekäufe, um gegen eine geringe Inflation und zu schwache Konjunktur vorzugehen. Dabei hatte die Zentralbank seit März 2015 mehr als 2,6 Billionen Euro in die Anleihen von Unternehmen und Staaten investiert, um die Finanzmärkte zu stützen.

Das billionenschwere Programm war zum Jahresende ausgelaufen. Fällig werdende Anleihen aus diesem Bestand will die EZB aber auch weiterhin ersetzen.