Reisende müssen am Dienstag an deutschen Flughäfen erneut mit erheblichen Störungen rechnen. Wegen eines Warnstreiks des Sicherheitspersonals sind allein am Frankfurt Airport 610 der geplanten rund 1.200 An- und Abflüge gestrichen worden, wie der Betreiber Fraport mitteilte. Damit entfällt rund jeder zweite Flug. Bei regulärem Flugbetrieb wären etwa 135.000 Passagiere am größten deutschen Luftverkehrsdrehkreuz erwartet worden. Insgesamt waren die Kontrolleure und Wachleute an acht Flughäfen aufgerufen, ihre Arbeit niederzulegen.

Vorsorglich wurden bundesweit vorab mehrere Hundert Starts und Landungen gestrichen. Der Flughafenverband ADV rechnete damit, dass etwa 220.000 Passagiere von den Streichungen und Verspätungen betroffen sein werden. In Frankfurt konnten Maschinen zwar landen, Passagiere konnten umsteigen. Allerdings konnte kein Fluggast zusteigen.

Die Streiks begannen um Mitternacht in Hannover, Bremen und Hamburg. Ab zwei Uhr sollten auch die Sicherheitsmitarbeiter in Frankfurt die Arbeit niederlegen. Gestreikt wurde auch in München, Leipzig, Dresden und Erfurt. In München sollten rund 100 Flüge ausfallen. Am Hamburger Flughafen fallen laut einer Sprecherin 202 der für Dienstag angesetzten 357 An- und Abflüge aus.

Gewerkschaften fordern mehr Lohn

Die Gewerkschaften ver.di und DBB wollen mit den Warnstreiks den Druck in der laufenden Tarifrunde erhöhen. Sie verlangen Lohnsteigerungen für die bundesweit 23.000 Beschäftigten und eine einheitliche Bezahlung im Bereich der Passagier-, Fracht-, Personal- und Warenkontrolle an den Flughäfen. Ver.di verlangt für die Mitarbeiter 20 Euro brutto pro Stunde, der DBB fordert einen Stundenlohn von 19,50 Euro. Bislang sind die Stundenlöhne in der Branche regional sehr unterschiedlich geregelt. Insbesondere in Ostdeutschland sollen die Löhne steigen. Die Arbeitgeber müssten ein "deutlich verbessertes und damit verhandlungsfähiges Angebot" vorlegen, erklärte die Dienstleistungsgewerkschaft. Nur so seien weitere Beeinträchtigungen des Flugverkehrs zu vermeiden.

Bereits in der vergangenen Woche hatte das Sicherheitspersonal die Arbeit niedergelegt, zunächst an den Berliner Flughäfen Tegel und Schönefeld, dann in Düsseldorf, Köln/Bonn und Stuttgart. Ver.di begründet die Streiks damit, die Arbeitgeber hätten trotz der Warnsignale "kein verhandlungsfähiges Angebot" vorgelegt.

Der Bundesverband der Luftsicherheitsunternehmen (BDLS) kritisierte die aus seiner Sicht unverhältnismäßigen Warnstreiks: Die Arbeitgeberseite habe bereits im Dezember 2018 klargemacht, dass sie zu einem neuen Angebot und zu zügigen Verhandlungen ab Jahresanfang bereit sei. Die fünfte Verhandlungsrunde in dem Tarifkonflikt ist für den 23. und 24. Januar angesetzt.