Unter diesen Umständen – Ermittlungen gegen ein Schlüsselunternehmen und Verhaftung einer Vertreterin der Elite – ist es schwer vorstellbar, dass Xi Jinping sich jetzt auf eine Vereinbarung einlässt, die den Forderungen der Amerikaner irgendwie entgegenkommt. Allerdings könnte Donald Trump aus dem juristischen Fall Meng einen politischen machen: Bereits nach ihrer Verhaftung erwähnte er in einem Interview, dass er sich in den Fall einschalten wolle, würde dies wegen der laufenden Handelsgespräche notwendig werden. Trump könnte Meng zu einer Art Pfand werden lassen, so wie die chinesische Gegenseite nach der Festsetzung der Huawei-Managerin in Vancouver in China einfach zwei Kanadier unter dubiosen Vorhaltungen festgenommen hat – sie dienen zweifellos als Geiseln.  

Auf einem anderen Blatt steht, welchen Gefallen Trump damit Ländern mit unabhängigen Rechtssystemen tut. Für die Regierung in Peking wäre die Einmischung ein Beleg dafür, dass auch die Justiz in den USA politisch gesteuert wird – so wie in ihrer Parteidiktatur zu Hause eben auch. Der amerikanische Präsident ist aber sowieso erneut der größte Unsicherheitsfaktor im gesamten USA-China-Konflikt. Vergangene Woche hatte er noch auf echte Strukturreformen, etwa zum Schutz geistigen Eigentums, beharrt.

Trump neigt aber bekanntlich dazu, gern auch aus dem Bauch heraus zu entscheiden. Und er würde ein Angebot der chinesischen Verhandler, sehr weite strukturelle Reformen anzugehen, zum Beispiel beim Marktzugang für US-Unternehmen, oder die Bevorzugung von Staatsunternehmen herunterzufahren, im Zweifel annehmen. Eine diesbezügliche Ankündigung – ob sie von den Chinesen umgesetzt wird, ist etwas anderes – könnte Trump in dem Moment entgegenkommen, in dem der Zollstreit mit China Einfluss auf die US-Konjunktur nimmt. Trump hat den Zollstreit begonnen und kann ihn auch wieder beenden. Irgendwie nachzugeben könnte sich für die Chinesen also lohnen.