Manchmal muss man einen Schritt zurücktreten, um ein Bild klarer zu sehen. Beim Kohlekompromiss erkennt man dann zweierlei: Erstens die historische Dimension, und zweitens die Hypothek für die Zukunft. Blickt man in die Vergangenheit, dann ist das, was da beschlossen wurde, ein richtig großes Ding: ein historischer Einschnitt. Dieses Land ist durch die Kohleverstromung groß und reich geworden, der Rohstoff hat die Industrialisierung befeuert, die Kultur ganzer Regionen geprägt, große, wichtige Konzerne entstehen lassen und die Arbeiterbewegung so mächtig gemacht, dass sie viele soziale Errungenschaften durchsetzen konnte. Das alles ist wichtig, denn es erklärt den langen Widerstand gegen den Ausstieg. Auch weil sie dieser Vergangenheit verhaftet sind, fällt vielen Politikern, Unternehmern und Gewerkschaften der Ausstieg so schwer. Sie können sich eine andere, gute Zukunft immer noch nur schwer vorstellen.

Dass eine gute Zukunft nur mithilfe einer grünen Energieversorgung möglich sein wird, weiß heute jeder, der sich ernsthaft mit dem Klimawandel beschäftigt hat. Und er weiß auch: Nötig wären noch viel größere, schnellere Schritte als das, was die Kommission jetzt empfiehlt. Die Umweltverbände weisen zu Recht darauf hin, dass sie nur mit großen Bauchschmerzen zustimmen konnten, und nur, damit endlich etwas passiert. Denn wahr ist auch: Der Kohleausstiegsplan erlaubt es zwar, die deutschen und europäischen Klimaziele im Energiesektor zu erreichen. Aber auch die sind nicht ehrgeizig genug. Selbst wenn sie erreicht werden, ist der Klimawandel nicht gestoppt. 

Deutschland muss nachlegen

Im Gegenteil, die letzten Erkenntnisse der Wissenschaft sagen: Begnügt euch nicht! Macht, so schnell ihr könnt! Das hat die Bundesregierung übrigens bei den Klimaverhandlungen in Paris mitbeschlossen. Übersetzt bedeutet das: Sowie es möglich ist, muss auch Deutschland beim CO2-Einsparen noch einmal nachlegen. Die Kohlekommission hat deswegen auch empfohlen, in den 2020er-Jahren immer wieder zu prüfen, ob nicht im Energiesektor doch noch mehr geht. Das bedeutet aber auch: Jetzt müssen die anderen Sektoren drankommen. Der Verkehr, die Landwirtschaft, die Gebäudewirtschaft.

Für die neue Umweltbewegung heißt das: Sie können jetzt einen großen Erfolg feiern. Zurücklehnen sollten sie sich noch nicht.