Trotz der Debatte um den Schadstoffausstoß von Dieselmotoren setzt Bundesverkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) auch künftig auf die Technologie. Vor allem im ländlichen Raum "muss der Diesel Zukunft haben und wird der Diesel Zukunft haben", sagte Scheuer nach einem Treffen mit Bayerns Ministerpräsident Markus Söder (CSU), der bayerischen IG Metall sowie den Chefs von Audi, BMW und MAN in München. Auch synthetische Kraftstoffe und Wasserstoff könnten künftig eine größere Rolle spielen.

Der Dieselmotor gilt in Innenstädten als Hauptquelle von Stickoxiden. Wegen zu hoher Stickoxidmengen in der Luft wurden in Hamburg und Stuttgart bereits Fahrverbote für ältere Dieselfahrzeuge erlassen, in weiteren Städten drohen ebenfalls Einschränkungen. Deshalb – und wegen des VW-Abgasskandals – ist die Nachfrage nach Diesel-Pkw deutlich zurückgegangen. Die Automobilindustrie braucht den Diesel aber, um die Klimavorgaben der EU zu erfüllen. Denn Dieselfahrzeuge stoßen weniger CO2 aus und sind somit weniger klimaschädlich als Benziner.

Scheuer verwies darauf, dass in vielen Städten die Stickoxidmesswerte sinken würden. Er sei mit der EU-Kommission im Gespräch, "wie wir praktikable Lösungen hinbekommen". Söder forderte, nach der Kritik von Lungenärzten die Grenzwerte zu prüfen und Messstationen in Deutschland nicht mehr "an absurden Stellen" zu betreiben. Die EU hatte die Grenzwerte für Stickoxide 2010 eingeführt.

Der bayerische IG-Metall-Chef Johann Horn sagte, Umweltschutz sei wichtig, aber gute Arbeitsplätze und bezahlbare Mobilität "für den kleinen Mann" seien es auch. BMW-Chef Harald Krüger sagte, in China und vielen anderen Ländern werde sich das Elektroauto mit Batterie durchsetzen. Allerdings sei die Kombination von Verbrenner- und Elektromotor in Hybridfahrzeugen ebenfalls "eine Zukunftstechnologie", vor allem für Städte.

Söder fordert Automobilpakt

CSU-Chef Söder hatte am Wochenende einen "nationalen Pakt zur Sicherung der Automobilindustrie" gefordert. Deutschland brauche eine gemeinsame Strategie und Forschungspolitik zum Erhalt der Arbeitsplätze, sagte er. Die deutsche Autobranche müsse sich die Technologieführerschaft bei Antrieben und beim autonomen Fahren sichern.

Für seinen Vorstoß erhielt Söder Unterstützung aus der Bundesregierung und der Autoindustrie. "Es ist für den Erhalt unseres Industriestandorts lebenswichtig, dass die Automobilwirtschaft auch in Zukunft die besten Autos mit den innovativsten Antriebstechnologien der Welt baut", sagte etwa Bundeswirtschaftsminister Peter Altmaier (CDU) der Augsburger Allgemeinen. Die Förderung der Autoindustrie sei Teil seiner Industriestrategie, die er am Dienstag vorstellen wolle.

Der deutsche Automobilverband VDA begrüßte Söders Vorhaben: Man unterstütze "alle Initiativen und Themen, die helfen, die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Automobilindustrie zu stärken und die Beschäftigung zu sichern", sagte Verbandspräsident Bernhard Mattes der Zeitung. Die FDP lehnte Söders Vorstoß dagegen ab. "Die deutsche Automobilindustrie braucht keinen Pakt für die Automobilindustrie", sagte der stellvertretende Fraktionsvorsitzende Michael Theurer. "Es würde schon reichen, wenn die Politik aufhört, sie gezielt zu zerstören."