Immer mehr Menschen in Deutschland haben einen Nebenjob: Die Zahl der sogenannten Mehrfachbeschäftigten stieg innerhalb von 15 Jahren von 1,4 auf 3,4 Millionen Mitte vergangenen Jahres. Das geht aus einer Antwort der Bundesagentur für Arbeit (BA) auf eine Anfrage der Linken im Bundestag hervor. Demnach üben Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer am häufigsten eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung mit mindestens einem Minijob aus. In knapp 330.000 Fällen wurden laut BA mindestens zwei sozialversicherungspflichtige Jobs kombiniert.

"Für immer mehr Beschäftigte reicht das Einkommen aus einem Job nicht mehr aus", sagte Sabine Zimmermann, arbeitsmarktpolitische Sprecherin der Linksfraktion. Der überwiegende Teil habe aus purer finanzieller Not mehr als einen Job. Mehrfachbeschäftigte würden im Schnitt in ihrem Hauptjob deutlich weniger verdienen als Menschen ohne Nebenjob. Laut einer Studie des Instituts Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) bekommen Arbeitnehmer mit einem Nebenjob in ihrer Hauptbeschäftigung im Schnitt etwa 570 Euro im Monat weniger als Personen mit nur einem Job.

"Das deutet darauf hin, dass relativ viele Nebenjobber auf das zusätzliche Geld angewiesen sind", sagte IAB-Forschungsbereichsleiter Enzo Weber. Zweitjobs kämen nicht nur in bestimmten Branchen, bei bestimmten Personen oder im Fall bestimmter Motive vor, sondern seien "breit gestreut". Bei der Kombination einer sozialversicherungspflichtigen Stelle mit einem Minijob sind 28,5 Prozent der Zweitjobs allgemeine Dienstleistungsberufe.

Der Studie zufolge gibt es neben finanziellen Motiven auch andere Gründe für einen Zweitjob. So könne man andere Tätigkeiten neben dem Hauptjob ergänzen, die Spaß machen oder Prestige einbringen. Außerdem seien Minijobs für den Arbeitnehmer komplett steuer- und abgabenfrei." So eine starke Subvention möchten dann natürlich ganz verschiedene Personen nutzen", sagte Weber.

Die Linke fordert einen grundsätzlichen Wandel. "Minijobs müssen in sozialversicherungspflichtige existenzsichernde Beschäftigung überführt werden", sagte die Abgeordnete Zimmermann. IAB-Forscher Enzo wies auf Nachteile der Begünstigung hin: Für die Jobs werde meist nicht in die Rentenkasse eingezahlt, sie trügen also nicht zur Alterssicherung bei. "Und die meisten Nebenjobs dürften auch nicht zu nachhaltiger beruflicher Entwicklung und Arbeitsmarktintegration führen", sagte Weber. Bei Geringverdienern könne die Kopplung einer Unterstützung an einen Nebenjob auf ein falsches Gleis führen. Arbeitsmarktintegration gelinge eher im Hauptjob.