Wer bei deutschen Banken einen Ratenkredit aufnimmt, wird oft falsch oder schlecht beraten – zum eigenen finanziellen Schaden. Das zeigt die Erfahrung von fast 100 Testkäuferinnen und Testkäufern. Finanzexperten hatten sie in die Filialen unterschiedlicher Banken geschickt, um dort Kreditgespräche zu führen. In vielen Fällen unterbreiteten Bankberater den Testkäufern ein Angebot, ohne die finanzielle Lage ihrer potenziellen Kunden vorher ausreichend zu klären. Sogar offensichtliche Risiken ignorierten die Verkäufer. So setzten die Banken ihre vermeintlichen Kunden der Gefahr aus, den Kredit später nicht bedienen zu können.

Im schlimmsten Fall können Darlehensnehmer dadurch in die Überschuldung rutschen. Die ist in Deutschland mittlerweile ein Massenphänomen: Im Oktober 2018 betraf sie laut Creditreform rund sieben Millionen Menschen in Deutschland.

Schon frühere Untersuchungen, etwa durch die Bundesfinanzaufsicht Bafin 2017, hatten gezeigt: Banken berechnen bei der Kreditvergabe teilweise erhebliche Zusatzkosten oder Provisionen und legen diese häufig nicht offen. In manchen Fällen erreichte der effektive Kreditzins dadurch wucherische Höhen. Das Risiko, dass die Kunden solche Kredite nicht mehr bedienen können, ist sehr hoch. Selbst wenn es ihnen gelingt, eine Umschuldung auszuhandeln, müssen sie in vielen Fällen schlechtere Konditionen akzeptieren. Damit aber wachsen ihre finanziellen Probleme noch.

"Ein durchweg negatives Bild"

Die Testkäufe zeigen nun, wie verbreitet schlechte Beratung unter den Banken tatsächlich ist. Zusammen ergaben sie eine vergleichsweise große Stichprobe (s. Infobox), die vom Institut für Finanzdienstleistungen iff im Auftrag der Bürgerbewegung Finanzwende ausgewertet wurde. Die Ergebnisse liegen ZEIT ONLINE und dem ARD-Magazin Panorama vor. Die Tester sollten durch ihre Fragen im Verkaufsgespräch herausfinden, wie fair, diskret und genau die Banken ihre Kunden über Konsumentenkredite beraten. Das Fazit der iff-Forscher aus den Gesprächsprotokollen: "Es ergibt sich durchweg ein negatives Bild." Einige Institute seien in den Tests allerdings besonders schlecht aufgefallen, etwa die Bank Santander.

Gerhard Schick, früher Finanzexperte der Grünen und heute Vorstand der Bürgerbewegung Finanzwende, spricht von einer "üblen Kreditfalle", in die Kunden so geraten könnten. Gerade mit Menschen, die finanziell ohnehin schon in einer schwierigen Lage seien – und die deshalb einen Kredit bräuchten –, werde Rendite gemacht.

Ein Beispiel ist der Fall von Luise B. Die Bremerin, die ihren Namen nicht veröffentlicht wissen möchte, hatte gemeinsam mit ihrem damaligen Mann vor Jahren einen Kredit aufgenommen. "Das ging ratzfatz", erinnert sie sich. "Die haben immer alle gesagt, das funktioniert vom Gehalt her." Doch dann trennte sich das Paar. B. konnte die Schulden nicht bedienen, für die sie als Mitunterzeichnerin in voller Höhe haftete. Der einzige Ausweg: Sie ging in die Privatinsolvenz.

Doch noch während das Insolvenzverfahren lief, vergab eine andere Bank an B. und ihren neuen Partner einen weiteren Kredit – und als der umgeschuldet werden musste, fand sich abermals eine Bank, die den beiden ein Darlehen gewährte und B. mit unterschreiben ließ. Sie sagt, sie habe den Berater auf ihre laufende Insolvenz hingewiesen. "Ich war schon ein bisschen skeptisch. Aber dann habe ich gedacht: Wenn er sagt, ich kann das machen, dann war ja wohl alles in Ordnung. Man glaubt den Leuten ja auch."

40.000 Euro Schulden bei 1.000 Euro Nettolohn

Heute sitzt sie auf einer Restschuld von rund 40.000 Euro. Diese Summe abzuzahlen sei bei ihrem Einkommen von etwa 1.000 Euro netto im Monat "unmöglich", sagt Sven Schulz, Schuldnerberater der Solidarischen Hilfe e. V. aus Bremen. Schulz unterstützt B. und andere überschuldete Menschen dabei, ihre finanziellen Angelegenheiten wieder ins Lot zu bringen.

Die allermeisten Banken prüften vor Abschluss von Kreditverträgen viel zu ungenau, ob ihre Kunden überhaupt in der Lage seien, ihre Raten zu zahlen, sagt Schulz. Vor allem für Geringverdiener sei das gefährlich. Sobald sie ihren Job wechselten und dadurch womöglich weniger Einkommen hätten, könnten sie ihre Raten unter Umständen nicht mehr zahlen. Und in jüngster Zeit gerieten vermehrt Rentner in Schwierigkeiten: Menschen, die kurz vor der Rente noch einen Kredit aufgenommen hätten, obwohl da schon offensichtlich gewesen sei, dass sie im Ruhestand nicht mehr in der Lage sein würden, ihn abzuzahlen. Doch auch der Zeitpunkt des Renteneintritts werde von den Bankberatern oft gar nicht geprüft. "Bei uns wäre die Hälfte der Arbeit weg, wenn die Banken verantwortungsvoller handeln würden", sagt Schulz.