Nach der deutlichen Kritik an der neuen Ostseepipeline Nord Stream 2 deutet sich im Gasstreit mit den USA eine Entspannung an. Der stellvertretende US-Energieminister Dan Brouillette reagierte erfreut auf die Pläne Deutschlands, Flüssiggasterminals zu bauen. "Die Europäer haben einen bemerkenswerten Fortschritt in ihrer Infrastruktur gemacht", sagte Brouillette nach einem Treffen mit Wirtschaftsminister Peter Altmaier. Beide lägen "auf gleicher Wellenlänge" bei dem Thema und teilten die Einstellung, dass Deutschland nicht abhängig von russischen Gasimporten werden dürfe.

Die US-Regierung hatte sich mehrfach gegen die geplante Ostsee-Pipeline ausgesprochen, weil sie mehr Flüssiggas aus den USA nach Europa verkaufen will.

Altmaier sagte, die Bundesregierung habe mit der US-Regierung einen "sehr guten Dialog" über den Bau von Flüssiggasterminals in Deutschland, um den Gasbezug zu diversifizieren. "Das bedeutet mehr Versorgungssicherheit in Europa." Deutschland wolle aber auch "zu jedem Zeitpunkt über ausreichend Energie zu bezahlbaren Preisen" verfügen, sagte Altmaier. Das heiße, dass Deutschland auch ein Interesse daran habe, dass das Projekt Nord Stream 2 verwirklicht werden könne.

Brouillette sagte, die US-Regierung habe nichts dagegen, dass Russland einer der Gaslieferanten sei. Die USA sei auch nicht gegen Pipelineprojekte. Es gehe Washington aber sehr wohl darum, die Abhängigkeit von Russland zu verhindern, das von Europa gleichzeitig als Bedrohung empfunden werde. Der Frage nach früher angedrohten US-Sanktionen gegen Nord Stream 2 wich er aus.

USA kündigen Preissenkungen an

Nord Stream 2 ist bereits zu einem Teil gebaut und soll Ende 2019 in Betrieb gehen. Die 1.200 Kilometer lange Leitung durch die Ostsee soll dann jährlich bis zu 55 Milliarden Kubikmeter Erdgas aus Russland nach Deutschland transportieren. Die USA hatten das Projekt wiederholt kritisiert.

Der US-Vizeenergieminister kündigte zudem sinkende Preise für amerikanisches Flüssiggas an. Derzeit gebe es an der US-Ostküste drei Flüssiggasterminals für den Export. "Bald könnten wir aber zehn haben", sagte Brouillette. Deshalb erwarte die US-Regierung sinkende Preise. Die USA wollten Gas auch in Europa verkaufen. Dabei könnten aber auch andere Flüssiggaslieferanten wie Katar konkurrieren. In jedem Fall sei die Entwicklung und Diskussion gut für europäische Verbraucher: Denn der russische Gaskonzern Gazprom habe bereits seine Preise gesenkt, damit Pipeline-Gas billiger als Flüssiggasgas bleibe.

Anfang der Woche hatten Altmaier und Brouillette erklärt, dass es im Streit über Nord Stream 2 "keinen Deal" zwischen beiden Regierungen gegeben habe und dass Deutschland die Bedenken der USA gegen die Pipeline mit dem Kauf von Flüssiggas aus den USA zerstreue.