Eine Studie der Evangelischen Bank zeigt: 60 Prozent der befragten Pflegeheime in Deutschland haben offene Fachkräftestellen. Im Durchschnitt sind dort pro Heim sechs Stellen unbesetzt. Es wurden rund 300 Geschäftsführer und Verwaltungsleiter befragt, die zusammen mindestens 1.250 der bundesweit rund 15.000 stationären Heime vertreten.

Laut Umfrage musste jedes fünfte Heim in den vergangenen drei Monaten wegen des Personalmangels einen temporären Belegungsstopp verordnen. Viele der Heime versuchen durch Gehaltserhöhungen Personal zu gewinnen. Dafür mangelt es allerdings häufig an finanziellen Mitteln. Um Gewinne zu erwirtschaften, sei in den Heimen im Mittel eine Auslastung von 94 Prozent nötig.

Christian Ferchland, Vorstandsmitglied der Evangelischen Bank, sagt allerdings: "Dem Fachkräftemangel können Einrichtungen nur sehr bedingt mit höheren Gehältern entgegenwirken." Hier seien politische Entscheidungen gefragt.

Leiharbeiter und Pflegekräfte aus dem Ausland

Um Engpässe zu überbrücken, greifen laut der Umfrage rund 40 Prozent der Betreiber auf Leiharbeiter zurück – wenn auch manchmal nur in Einzelfällen. Pflegekräfte aus dem Ausland, vor allem aus Osteuropa, gehören in mehr als 70 Prozent der Heime fest zur Belegschaft.

Derzeit sind deutschlandweit rund 38.000 Stellen in der Alten- und Krankenpflege unbesetzt. Um dem entgegenzuwirken, will die Bundesregierung die Aus- und Weiterbildung in der Branche ankurbeln. Bis 2023 soll die Zahl der Azubis und ausbildenden Einrichtungen im Bundesschnitt um zehn Prozent im Vergleich zu 2019 zulegen.

Die Bundesregierung macht zudem Druck auf Altenpflegedienste, damit sie Tariflöhne zahlen. Die Branche mit gemeinnützigen, kirchlichen, öffentlichen und privaten Trägern ist zerstückelt. Laut Arbeitsminister Hubertus Heil (SPD) haben nur 22 Prozent der Beschäftigten in der Pflege Tarifverträge, die meist eine höhere Bezahlung und bessere Arbeitsbedingungen garantieren.