Sie holen Babys auf die Welt, wechseln Verbände, füttern und waschen oder hören einfach nur zu. Sie – das sind auch heute noch überwiegend Frauen. Mit knapp 80 Prozent ist ihr Anteil in Pflege- und Gesundheitsberufen besonders hoch, wie aus einer repräsentativen Studie des Deutschen Gewerkschaftsbunds (DGB) hervorgeht. Ähnlich sieht es in der Kindererziehung (90 Prozent) aus, auch in Dienstleistungsberufen mit häufigem Kundenkontakt überwiegt der Anteil weiblicher Beschäftigter (60 Prozent). Im produzierenden Gewerbe, also auf dem Bau oder in Fabriken, sind Frauen mit 14 Prozent dagegen deutlich unterrepräsentiert.

Frauen dominieren folglich Berufe, in denen die Interaktion mit anderen Menschen besonders groß ist. Trotzdem kommen Männer auch hier schneller in Führungspositionen – und das, obwohl sie oft deutlich in der Minderheit sind, wie der DGB berichtet.

Während der Anteil weiblicher Beschäftigter in der Alten- und Krankenpflege sowie in Arztpraxen bei insgesamt 79 Prozent liegt, stellen Frauen in diesen Berufen nur 68 Prozent der Führungskräfte. Umgekehrt verdeutlichen die Zahlen: Männer besetzen 32 Prozent der Leitungspositionen, stellen aber nur 21 Prozent der Beschäftigten. Groß ist die Diskrepanz auch in Hotels, Restaurants und im Tourismus: 41 Prozent der Beschäftigten sind den Angaben nach Männer, unter den Führungskräften überwiegt ihr Anteil mit knapp 60 Prozent aber.

Jede zweite Altenpflegerin arbeitet in Teilzeit

Ein Grund für die schnelleren Aufstiegsmöglichkeiten männlicher Beschäftigter ist dem DGB zufolge die hohe Teilzeitquote von Frauen. "Führung in Teilzeit ist noch längst nicht in den Unternehmen angekommen", sagt die stellvertretende DGB-Chefin Elke Hannack. Wer nur 20 bis 30 Stunden die Woche arbeite, nehme zudem seltener an Weiterbildungen teil und habe somit auch geringere Chancen auf eine Führungsposition. "Die Beschäftigungsbedingungen in Führung müssen an die Bedarfe von Frauen angepasst werden, damit es für sie eine tatsächliche Option ist", forderte Hannack.

Der Studie nach arbeiten in der Altenpflege 48 Prozent der Beschäftigten in Teilzeit, in Arztpraxen sind es mit 50 Prozent noch etwas mehr. Im Gastgewerbe ist der Anteil der Beschäftigten, die unter 20 Stunden die Woche arbeiten, mit 33 Prozent relativ hoch. Im produzierenden Gewerbe ist die Teilzeitquote im Vergleich dazu unterdurchschnittlich: Nur zehn Prozent arbeiten weniger als 35 Stunden die Woche.   

Wer sich beruflich für die Arbeit mit Menschen entscheidet, nimmt der Studie zufolge eine geringe finanzielle Anerkennung in Kauf. "Sorgearbeit erfährt trotz ihrer Professionalisierung nicht die gleiche Wertschätzung wie etwa Berufe in der Produktion", heißt es. Eine Fachkraft in Pflege oder Gesundheit bekommt den Angaben nach einen Bruttostundenlohn von 15,64 Euro, während ein Produktionsleiter im Bergbau 20,31 Euro erhält.

Der Unterschied spiegelt sich in der Zufriedenheit der Beschäftigten mit ihrem Einkommen wider. Besonders Alten- (83 Prozent) und Krankenpflegerinnen (76 Prozent) halten ihre Bezahlung für nicht angemessen. In dem von Männern dominierten produzierenden Gewerbe liegt der Anteil derer, die ihr Einkommen für unangemessen halten, bei 44 Prozent.

"Ohne die unverzichtbare Arbeit der Erzieherin, Krankenschwester oder der Altenpflegerin könnten viele Menschen mit Kindern oder mit zu pflegenden Angehörigen kaum erwerbstätig sein", sagt Hannack. Diese Tätigkeiten verdienten mehr Anerkennung und eine deutlich bessere Bezahlung. "Zumal diese Beschäftigten oft doppelt belastet sind – körperlich und psychisch, muss sich dies auch im Gehalt widerspiegeln."

Die Erhebung basiert auf Angaben von 8.011 abhängig Beschäftigten, darunter 4.085 Frauen. Die meisten von ihnen haben eine abgeschlossene Berufsausbildung. Die Daten wurden im Rahmen der bundesweiten Repräsentativbefragung zum DGB-Index Gute Arbeit 2018 erhoben. Das Ergebnis ist repräsentativ für das Urteil der Beschäftigten in Deutschland.