Die Aussichten für die deutsche Wirtschaft haben sich im März überraschend verbessert. Wie das Münchner Ifo-Institut mitteilte, stieg das von ihm erhobene Geschäftsklima um 0,9 Punkte auf 99,6 Zähler – und verzeichnete damit den ersten Anstieg nach sechs Rückgängen in Folge.

"Die deutsche Wirtschaft stemmt sich dem Abschwung entgegen", kommentierte Ifo-Präsident Clemens Fuest die neuen Zahlen. Demnach beurteilten die Führungskräfte sowohl ihre aktuelle Geschäftslage besser als auch die Aussichten für die kommenden sechs Monate. Dies gilt vor allem für den Dienstleistungssektor, den Handel und die Bauwirtschaft. Im verarbeitenden Gewerbe hingegen trübte sich die Stimmung abermals ein; die Erwartungen hier fielen auf den tiefsten Stand seit November 2012.

"Eine Riesenüberraschung" – "Ein gutes Zeichen"

Noch am vergangenen Freitag hatten enttäuschende Konjunkturdaten aus Deutschland und Frankreich Rezessionssorgen geschürt. Für eher pessimistische Aussagen in den Chefetagen der hiesigen Wirtschaft sorgten zuletzt auch die schwächelnde Weltkonjunktur, Unsicherheiten wie der Brexit und drohende US-Strafzölle auf deutsche Autos. Die Wirtschaftsweisen hatten deshalb ihre Prognose für das Wachstum des deutschen Bruttoinlandsproduktes in diesem Jahr auf 0,8 Prozent nahezu halbiert.

Der Ifo-Geschäftsklimaindex gilt als wichtigstes Stimmungsbarometer für die deutsche Wirtschaft. Hierzu werden monatlich etwa 9.000 Geschäftsführer und Manager befragt. Der Indikator gilt auch deshalb als gute Schätzgröße für das künftige Wirtschaftswachstum.

In einer ersten Reaktion zeigten sich Ökonomen und Analsten vorsichtig optimistisch. "Die deutschen Unternehmen fassen wieder Vertrauen", bilanzierte etwa Michael Holstein von der DZ Bank, für den der aktuelle Index vor allem ein "gutes Zeichen dafür ist, dass sich die heimische Konjunktur nach dem schwachen zweiten Halbjahr 2018 wieder fängt". Sein Kollege Jörg Zeuner von der KfW hingegen sieht "ein Hoffnungszeichen – aber nicht mehr". Und Andreas Rees, angestellt bei der Unicredit, spricht von einer "Riesenüberraschung", warnt aber ebenfalls vor verfrühtem Jubel: "Jetzt ist noch nicht die Zeit, um von einem konjunkturellen Wendepunkt zu sprechen".

An den Finanzmärkten war die Reaktion zunächst positiv. Der deutsche Leitindex Dax legte leicht zu. Auch der Kurs des Euro stieg etwas.