Die Wirtschaft in Deutschland wird im laufenden Jahr nach Schätzungen des Internationalen Währungsfonds (IWF) voraussichtlich nur um 0,8 Prozent wachsen. Im kommenden Jahr soll es aber schon wieder aufwärts gehen und mit 1,4 Prozent Wachstum fast wieder das Tempo des Jahres 2018 (1,5 Prozent) erreicht werden. "Der Rückgang in Deutschland hat mit dem Automobilsektor zu tun", sagte die Chefvolkswirtin des IWF, Gita Gopinath, und verwies auf die Probleme mit dem neuen Verbrauchs- und Abgasmessstandard WLTP

Weltweit werde das Wirtschaftswachstum im laufenden Jahr nur noch 3,3 Prozent betragen, nach 3,6 Prozent im Vorjahr, teilte der IWF mit. Das ist das langsamste Wachstum seit 2009, als die Wirtschaftsleistung als Folge der Finanzkrise schrumpfte. Im nächsten Jahr solle das Wachstum allerdings wieder das Tempo von 2018 aufnehmen, sagte Gopinath. Das sei aber nicht sicher.

Ob die Vorhersage eintrifft, hängt unter anderem von Entwicklungen in Ländern wie Argentinien und der Türkei ab. Und von der Frage, ob etwa der Handelsstreit zwischen China und den USA, den beiden größten Volkswirtschaften der Welt, endlich gelöst werden kann. "Wir hoffen sehr, dass es bald zu einer Einigung kommt", sagte Gopinath. Der Handelskrieg habe über den Druck auf die Preise für Bodenschätze auch Auswirkungen auf Entwicklungsländer, etwa für das ölreiche Nigeria.

Schwächeres Wachstum in den USA

Glücklicherweise sei der Inflationsdruck nicht allzu groß, sagte Gopinath. So könnten die Zentralbanken ihre Geldpolitik notfalls etwas lockern, so wie bei großen Notenbanken bereits geschehen, etwa in den USA, Japan und England. 

Der IWF musste seine bereits im Januar nach unten korrigierte Prognose noch einmal zurücknehmen. Ein Teil des Problems liegt in den USA. Dort sind nach Darstellung des IWF die stimulierenden Effekte der Steuerreform von Präsident Donald Trump bereits verpufft. 

Die größte Volkswirtschaft der Welt wird 2019 um 2,3 Prozent, im Wahljahr 2020 nur noch um 1,9 Prozent wachsen – weit entfernt von den Prognosen Trumps, der zum Teil ein Wachstum von weit mehr als vier Prozent in Aussicht gestellt hatte. Auch China, mit den USA in einen intensiven Handelsstreit verwickelt, ist geschwächt. Von 6,6 Prozent 2018 geht es auf 6,3 Prozent im laufenden Jahr und 6,1 Prozent im nächsten Jahr zurück.

Die Furcht vor einem ungeordneten Brexit trage zu der Problematik maßgeblich bei. Bis 2021 würde Großbritannien nach einem Szenario des IWF 3,5 Prozent seiner Wirtschaftsleistung verlieren, der Verlust für die EU läge bei 0,5 Prozent. "Die Situation ist in Bewegung, Vorhersagen sind sehr schwierig", sagte Gopinath.