Die große Koalition streitet sich über die Rente – mal wieder. Die Parteien haben unterschiedliche Wünsche und Vorstellungen. Das traurige dabei ist, dass es seit geraumer Zeit nicht mehr um die Frage geht, wie die Rente in Deutschland grundlegend und sinnvoll für alle reformiert werden kann. Es scheint den Parteien stattdessen in erster Linie um Klientelpolitik zu gehen und die Frage, wie sie ihre eigenen Wählerinnengruppen am besten bedienen können. Wir brauchen aber dringend eine ehrliche Debatte, die nicht zulasten künftiger Generationen geht.

In den vergangenen Jahren wurde einiges im Rentensystem umgestellt. Die SPD hat eine Rente mit 63 durchgesetzt, die CSU die Mütterrente. Beide sind sehr teuer und werden den Staat, also Bürgerinnen und Bürger, jedes Jahr fast zehn Milliarden Euro kosten. Von beiden profitieren jedoch nur relativ kleine und meistens eh schon privilegierte Gruppen. Die Rente mit 63 nutzt vor allem gut gestellten, gut verdienenden Männern in der Industrie, die auf 45 Beitragsjahre kommen.

Aktuell wird nun über eine Grundrente gestritten, die nach den Vorstellungen der SPD Menschen mit geringen Löhnen und mindestens 35 Beitragsjahre bekommen sollen; die Union will stattdessen lieber einen "Schutzschirm" für bedürftige Rentner und Rentnerinnen – beides teure Vorhaben. Der Grund für den Dissens: Die Parteien sind sich uneinig darüber, was denn genau Gerechtigkeit in der Rente bedeutet. Für die SPD geht es um die Anerkennung der Lebensleistung. Die CDU will vor allem verhindern, dass Menschen, die jahrzehntelang gearbeitet haben, am Ende ihres Lebens auf Sozialhilfe angewiesen sind.

Umverteilung von Jung zu Alt

Was all diese Rentenreformen gemeinsam haben ist, dass sie letztlich eine massive Umverteilung von Jung zu Alt bedeuten. Nur spricht die Politik dies nicht offen und ehrlich an, sondern tut so, als gäbe es diese Gelder umsonst, ohne dass jemand dafür geradestehen muss.

Im Mittelpunkt der Rentendebatte sollte deswegen die Frage stehen, wie eine Reform so gestaltet werden kann, dass alle Menschen davon profitieren, nicht nur eine kleine Gruppe. Natürlich kann man Rentenerhöhungen finanzieren, indem man die Beiträge oder Steuern der jüngeren Menschen erhöht. Aber bereits heute gehören die Sozialversicherungsbeiträge in Deutschland mit zu den höchsten in der Welt. Sie sind so substanziell, dass sie das Arbeiten für viele Menschen ebenso unattraktiv machen wie für Unternehmer die Einstellung von Arbeitskräften. Wenn aber die Kosten der Arbeit so hoch werden, dass gute Jobs ins Ausland verlagert werden und Unternehmen immer weniger in Deutschland investieren, dann sinkt der Wohlstand, der letztlich auch die Rente der älteren Menschen heute und in der Zukunft sichert.