Die zwei Schlüsselfragen sind deswegen: Wie können möglichst viele Menschen einer guten Arbeit in Deutschland nachgehen? Und wie kann die ältere Generation zu einer nachhaltigen Rente beitragen? Denn das größte Problem für viele Menschen im Alter ist, dass sie in ihrem Arbeitsleben häufige Unterbrechungen hatten und zu schlechten Löhnen und Einkommen gearbeitet haben. Sie haben deshalb nur geringe Ansprüche erworben. Kaum ein Land hat einen so riesigen Niedriglohnsektor wie Deutschland, wo jede vierte Beschäftigte zu sogenannten Niedriglöhnen (weniger als 10,80 Euro die Stunde) arbeitet – viele von ihnen in atypischen Beschäftigungsverhältnissen. Insbesondere Frauen sind davon häufig betroffen und viele von ihnen können nicht so viele Stunden arbeiten, wie sie gerne möchten, weil das eine unzureichende Familieninfrastruktur, die Arbeitsbedingungen und finanzielle Anreize erschweren.

Doch welchen Beitrag können ältere Menschen zur Sicherung der Rente leisten? Das zentrale Problem des Rentensystems ist, dass das Renteneintrittsalter nur unwesentlich steigt, die Lebenserwartung dagegen jedoch sehr deutlich. Daran wird die Rentenversicherung zusammenbrechen – die Frage ist nicht ob, sondern wann das passieren wird. Die Politik scheut sich, darauf eine Antwort zu geben, weil die Wählerinnen und Wähler lieber hören, dass ihre Rentenbezüge weiter steigen werden, ohne dass sie selbst einen größeren Beitrag dazu leisten müssen. Aber es gehört auch zur Pflicht der Politik, unbequeme Wahrheiten auszusprechen und zu adressieren.

Viele Menschen würden gerne länger arbeiten und Unternehmen werden in Zukunft vor dem Hintergrund des zunehmenden Fachkräftemangels viel stärker auf ältere Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter angewiesen sein. Eine Flexibilisierung des Rentensystems würde sicherlich nicht dazu führen, dass alle Menschen länger arbeiten (die große Mehrheit würde nach wie vor gerne frühzeitig in den Ruhestand gehen). Aber es würde Menschen eine wirkliche Eigenverantwortung geben und durch die Wahl einiger, länger zu arbeiten, würde auch das Rentensystem entlastet.

Es ist gut, dass über die Rente gestritten wird. Denn eine grundlegende Reform des Rentensystems sollte jetzt, in diesen wirtschaftlich vergleichsweise guten Jahren, angegangen werden. Statt die übliche Klientelpolitik zu betreiben, sollte die Politik sich vor allem auf zwei Schritte konzentrieren: Arbeitsmarktreformen und eine Flexibilisierung des Renteneintrittsalters. Dies würde die Debatte einen riesigen Schritt weiterbringen und zu einer notwendigen Entlastung derjenigen führen, die die Rente zahlen müssen: die junge Generation.