Der Welthandel wird in diesem Jahr weniger stark zulegen als bisher erwartet. Statt mit einem Wachstum von 3,7 Prozent rechne man nun für 2019 nur noch mit 2,6 Prozent, teilte die Welthandelsorganisation (WTO) mit. 2018 waren es noch drei Prozent gewesen. 2020 hält die WTO ein Wachstum von drei Prozent für möglich. "Angesichts der enormen Handelsspannungen sollte sich niemand über diesen Ausblick wundern", sagte WTO-Generaldirektor Roberto Azevêdo. Das auf Regeln basierende Handelssystem zu schwächen "wäre ein historischer Fehler – mit Auswirkungen für Jobs, Wachstum und Stabilität rund um die Welt".

Als aktuell größtes Risiko gilt der Handelskonflikt zwischen den beiden Wirtschaftsmächten USA und China, die sich mit Importzöllen überzogen haben. Noch mehr Schaden können der WTO zufolge die von den USA angedrohten Importzölle auf Autos anrichten. "Der Austausch zwischen den USA und China macht etwa drei Prozent des Welthandels aus", sagte WTO-Chefvolkswirt Robert Koopman. "Der globale Automobilhandel macht aber etwa acht Prozent des Welthandels aus. Man kann sich also vorstellen, dass die Folgen der Autozölle größer sein werden."

Ungeordneter Brexit ist ein Risiko

Während die Regierungen in Washington und Peking derzeit über eine Beilegung ihres Streits verhandeln, könnte US-Präsident Donald Trump im späteren Jahresverlauf Autozölle gegen die Europäische Union ankündigen. Sollten die ohnehin schon großen Spannungen dadurch noch zunehmen, könnte der Welthandel in diesem Jahr auch nur um 1,3 Prozent wachsen, warnte die WTO deshalb. Zu den Risiken gehöre auch ein ungeordneter EU-Austritt Großbritanniens. Umgekehrt könne sich bei einer Lösung der Konflikte ein größeres Plus von bis zu vier Prozent ergeben.

"Es ist dringend nötig, dass wir die Spannungen lösen und uns darauf konzentrieren, den Welthandel auf einen positiven Pfad zu führen, der eine Antwort auf die wirklichen aktuellen Herausforderungen ist – wie der technologischen Revolution und dem Schaffen von Arbeitsplätzen", sagte WTO-Generaldirektor Azevêdo. Je größer die Unwägbarkeiten, desto geringer fielen Investitionen und Konsum aus.

Die deutschen Exporteure rechnen ungeachtet der zahlreichen Risiken in diesem Jahr mit einem Umsatzrekord. Die Ausfuhren dürften um bis zu drei Prozent auf die Bestmarke von 1,357 Billionen Euro zulegen, sagte der Bundesverband Großhandel, Außenhandel, Dienstleistungen (BGA) kürzlich voraus. Auch 2018 hatte es ein Plus in dieser Größenordnung gegeben.