Flughafen BER - Berichte über neue Schwierigkeiten beim BER Das ARD-Magazin "Kontraste" berichtete, dass die Eröffnung des BER aufgrund falscher Dübel gefährdet sei. Die Flughafengesellschaft widerspricht den Vorwürfen. © Foto: Bernd Settnik

Im Oktober 2020 soll der Hauptstadtflughafen BER endlich eröffnet werden – das wären acht Jahre nach dem ursprünglich geplanten Termin. Doch wie Spiegel und Tagesspiegel berichten, soll Flughafenchef Engelbert Lütke Daldrup eingeräumt haben, dass das Datum nicht mehr sicher sei. Das gehe aus internen Unterlagen hervor.

Beide Medien beziehen sich auf eine schriftliche Erklärung Daldrups für die Gesellschafterversammlung der drei staatlichen Eigner, also des Bundes sowie der Länder Berlin und Brandenburg im April. Darin zieht er demnach das Fazit: "Die ursprüngliche Sicherheit des Eröffnungstermins im Oktober 2020 kann heute nicht mehr uneingeschränkt garantiert werden." Spiegel Online berichtet, auch der BER-Erweiterungsbau Terminal 2 könnte später als geplant fertiggestellt werden: erst Anfang 2021 statt wie geplant im Mai 2020. In der kommenden Woche wird der Aufsichtsrat der Flughafengesellschaft tagen. 

Ein Flughafensprecher sagte dem Inforadio des rbb, Daldrups Zitate seien aus dem Zusammenhang gerissen. Man sei weiter auf einem guten Weg. Flughafenchef Daldrup selbst sagte dem Sender: "Alles, was wir wissen, alles, was wir gelernt haben in den sehr harten Jahren, diese Katastrophe in Ordnung zu bringen, deutet darauf hin, dass wir auf dem richtigen Weg sind und wir deshalb davon ausgehen dürfen, dass im Oktober 2020 der Flughafen eröffnet."

Flughafenchef widerspricht Berichten

Den Berichten zufolge sollen Ursachen für die erneute Verzögerung technische Schwierigkeiten sein, unter anderem mit Dübeln und Kabeltrassen sowie mit der Brandmeldeanlage. Der TÜV, der die Brandmeldevorrichtungen abnehmen müsse, habe drei der fünf Brandmeldezentralen als fehlerbehaftet eingestuft, schreibt der Tagesspiegel. Bis Ende Juni wolle die Flughafengesellschaft die Freigabe erreichen. Doch um den geplanten Eröffnungstermin zu halten, müsse eine andere zwingend notwendige Prüfung aller Sicherheitssysteme schon im Laufe des gleichen Monats beginnen.

Flughafenchef Daldrup wies im rbb-Inforadio zurück, dass wegen der verwendeten Dübel größere Umbauten nötig seien. Es gebe keine technischen Probleme. Derzeit würden zwar noch die Zulassungsverfahren für die Dübel laufen, aber man mache sich keine Sorgen. "Wir gehen davon aus, dass die Dübel nicht ausgewechselt werden, sie sind technisch in Ordnung. Sie halten das, was sie halten müssen", sagte Daldrup. Auch beim Brandschutz befinde man sich "auf der Zielgeraden".

Zugleich räumte der Flughafenchef ein: "Wir haben in den Kabelgewerken eine Vielzahl von kleinteiligen baulichen Mängeln abzuarbeiten." Davon sei etwa die Hälfte bereits behoben. Im Sommer solle die abschließende Prüfung des Terminal-Technik-Komplexes beginnen, sagte Daldrup.

"Auch an einem Plastikdübel kann die Inbetriebnahme scheitern"

Der zuständige Landrat Stephan Loge, dem das für den BER zuständige Bauordnungsamt untersteht, äußerte sich im ARD-Magazin Kontraste skeptisch zum Eröffnungstermin im Oktober 2020. Loge erinnerte an frühere geplatzte Eröffnungstermine: "Wir haben da so ein bisschen Déjà-vu." Das Bauordnungsamt verhinderte 2012, dass der Flughafen in Betrieb ging, ohne fertig zu sein.

Seit einigen Wochen gibt es Berichte, nach denen auch der Termin 2020 bedroht wäre, wenn es für bestimmte Dübel im Terminal keine Einzelfallzulassung gebe. Die Flughafengesellschaft bestätigte, dass für Befestigungslösungen zum Teil Zulassungen fehlten. Landrat Loge sagte: "Auch an einem Plastikdübel kann die Inbetriebnahme scheitern." Er schloss aus, "ein Auge zuzudrücken".

Der Grünenfraktionschef Anton Hofreiter forderte, Lütke Daldrup müsse "umfassend und ehrlich erklären, warum diese seit langer Zeit bekannten Mängel immer noch nicht gelöst sind" und warum die Risiken für die Fertigstellung des Flughafens "der Öffentlichkeit und den zuständigen Ausschüssen bis jetzt vorenthalten wurden". Verkehrsminister Andreas Scheuer (CSU) müsse "begründen, warum sein Ministerium weggeguckt hat". Hofreiter forderte einen Plan B vom Flughafenchef. Selbst der komplette Umbau des Hauptterminals dürfe kein Tabu sein.