Für einen kurzen Moment sah es Anfang der Woche so aus, als würde der Handelskonflikt mit China Donald Trump über den Kopf wachsen. Nachdem der US-Präsident am Freitag die Zölle auf Waren im Wert von 200 Milliarden Dollar von 10 auf 25 Prozent erhöht hatte, fielen an der New Yorker Börse die Kurse. Der Aktienindex S&P 500 sank bis Montag um 3,1 Prozentpunkte. Die Anleger schienen Trumps aggressive Chinapolitik bestrafen zu wollen. Wenige Tage später ist von der Aufregung bereits nichts mehr zu spüren. Der Aktienindex war am Donnerstag wieder auf dem selben Niveau wie vor Einführung der Einfuhrabgaben. Wieder einmal ist der große Crash ausgeblieben.

Beim Thema Handelspolitik scheint Donald Trump bisher kaum verwundbar. Erst am Mittwoch erließ er ein Dekret, das die Handelsbeziehungen zu China weiter belasten wird. Er untersagte US-Unternehmen die Nutzung von Telekommunikationstechnik, die als Risiko für die nationale Sicherheit eingestuft wird – der chinesische Telekommunikationskonzern Huawei gilt als Hauptziel dieser Maßnahme. Das Unternehmen wird von zahlreichen Geheimdiensten als Spionagerisiko eingestuft.

Seit Monaten prognostizieren Experten, dass Trumps aggressives Vorgehen gegen China die US-amerikanische Wirtschaft schädigen werde und sogar eine Rezession drohe. Doch abgesehen von den regelmäßigen Ausschlägen am Aktienmarkt, die Trumps wankelmütige Äußerungen zum Stand der Verhandlungen verursachen, sind die Auswirkungen des Handelskonflikts bisher nur stellenweise spürbar. Der Arbeitsmarkt boomt mit der niedrigsten Arbeitslosenquote seit 1969, das Wirtschaftswachstum betrug im ersten Quartal stolze 3,2 Prozent.

Mäßige Auswirkungen auf Verbraucher

Und die derzeitigen Zölle auf chinesische Waren dürften daran kaum etwas ändern, denn die Einfuhrabgaben haben Experten zufolge nur einen marginalen Einfluss auf das Wachstum der US-Wirtschaft. Rob Martin von der Investmentbank UBS sagte am Sonntag im Gespräch mit der New York Times, dass eine Fortführung des Handelskonflikts auf dem aktuellen Zollniveau seinen Berechnungen zufolge das Wachstum in den kommenden sechs Monaten lediglich um bis zu 0,35 Prozentpunkte schmälern könnte.

Das New Yorker Beratungsunternehmen Strategas geht davon aus, dass die Zölle die Expansion der Wirtschaft alle zwei Monate um 0,1 Prozentpunkte verringern werden. Sollten die Szenarien zutreffen, würden die USA noch immer satte Steigerungen erzielen. Trump kann den Handelsstreit vermutlich auch mittelfristig fortsetzen, ohne das Wachstum zu gefährden.

Die Auswirkungen auf die Bürgerinnen und Bürger scheinen ebenfalls überschaubar. Die Beratungsfirma Oxford Economics kommt zu dem Schluss, dass jeder US-Haushalt im Durchschnitt selbst im schlimmsten Szenario – der Besteuerung aller chinesischer Importe mit 25 Prozent – jährlich nur etwa 800 Dollar verlieren würden. Das ist zwar spürbar, aber bei einem mittleren Haushaltseinkommen von knapp 60.000 Dollar im Jahr für viele US-Amerikaner verkraftbar. Wissenschaftler des European Network for Economic and Fiscal Policy Research haben Ende 2018 errechnet, dass ein 25-Prozent-Zoll die importierten Waren durchschnittlich nur um 4,5 Prozent verteuern würden.

Wie stark die Bürger von den Preissteigerungen durch die Zölle betroffen sind, hängt jedoch stark davon ab, welche Anschaffungen sie tätigen. Waschmaschinen verteuerten sich durchschnittlich um 12 Prozent, nachdem die US-Regierung deren Import mit einer Einfuhrabgabe in Höhe von 20 Prozent belegte. Ähnlich hochpreisige Produkte wie Klimaanlagen, Matratzen und Fernseher dürften nun ebenfalls noch einmal spürbar teurer – werden aber auch seltener gekauft. Bei Regalwaren wie Shampoos und Kosmetika dürften Preissteigerungen dagegen deutlich wahrnehmbar sein. Allerdings können US-Unternehmen viele Made-in-China-Waren auch aus anderen Ländern importieren und so die Preissteigerungen abschwächen.