Nach der Ankündigung neuer US-Sonderzölle auf chinesische Waren erwägt China laut Berichten, die geplanten Handelsgespräche mit den USA abzusagen. Das berichtete unter anderem das Wall Street Journal unter Berufung auf Insider. Donald Trumps Verhalten habe die chinesische Seite überrascht, die nicht unter Drohungen weiterverhandeln wolle. Auch die Finanznachrichtenagentur Bloomberg berichtete, dass China an eine Verschiebung der Gespräche denke.

Der US-Präsident hatte am Sonntag überraschend angekündigt, bereits am kommenden Freitag die geltenden Sonderzölle auf Importe aus China von zehn auf 25 Prozent zu erhöhen. Trump drohte zusätzlich, die Sonderzölle auf alle Einfuhren aus China auszuweiten. "Der Handelsdeal mit China geht weiter, aber zu langsam, weil sie versuchen nachzuverhandeln. Nein!", schrieb Trump. Noch am Freitag hatte er nach Abschluss der letzten Gesprächsrunde in Peking den Fortschritt der Verhandlungen gelobt. Im Januar und März hatte Trump zweimal bereits angekündigte Fristen für Zollerhöhungen verschoben.

In der von der Kommunistischen Partei Chinas herausgegebenen Global Times schrieb der Chefredakteur der Zeitung, die US-Reise von Vizeministerpräsident und Verhandlungsführer Liu He sei nun "sehr unwahrscheinlich". Die US-Regierung habe noch keine Kenntnis einer Absage, sagten Regierungsvertreter der Nachrichtenagentur Reuters.

Kurse an asiatischen Börsen gefallen

Als Reaktion auf Trumps Ankündigung fielen die Kurse an den asiatischen Börsen. In Hongkong ging der Hang Seng Index nach Handelsauftakt mehr als drei Prozent zurück. Auch die Börsen in China sackten um drei bis vier Prozent ab. Der Kospi-Index in Seoul büßte zunächst 0,74 Prozent ein. In Taiwan fiel der Taiex um 1,48 Prozent. Die Ölpreise fielen zu Wochenbeginn um mehr als zwei Prozent, während die chinesische Landeswährung Yuan um ein Prozent zum Dollar abwertete.

Der Präsident des Peterson-Instituts für Wirtschaftsforschung in Washington, Adam Posen, kritisierte die Ankündigung des Präsidenten: "Trumps Aktion wird nichts erreichen. Sie wird nicht das amerikanische Wirtschaftswachstum oder die Beschäftigung anheben", sagte er der Welt. "Stattdessen werden US-Haushalte quasi mit einer Steuer belegt." Außerdem werde China mutmaßlich Vergeltung üben. "Das macht es nahezu unmöglich für Vertreter der chinesischen Regierung, eine gesichtswahrende Vereinbarung zu treffen." Sie könnten nicht den Eindruck erwecken, unter Druck nachzugeben.

Trump hatte vor zehn Monaten Einfuhren aus China im Volumen von 200 Milliarden Dollar mit Sonderzöllen von zehn Prozent belegt. Die US-Regierung wirft China unter anderem Diebstahl geistigen Eigentums und Technologiespionage vor. Im Dezember verständigten sich beide Seiten darauf, weitere Zölle vorerst auszusetzen und Verhandlungen aufzunehmen.