Der EU-Binnenmarkt wirkt sich einer Studie der Bertelsmann-Stiftung zufolge positiv auf die Einkommen der europäischen Bürgerinnen und Bürger aus. Der größte Wirtschaftsraum der Welt steigert demnach das Einkommen in Deutschland pro Kopf und Jahr um durchschnittlich 1.046 Euro brutto. Auf alle EU-Bürger gerechnet seien es rund 840 Euro.

Die größten regionalen Profiteure in Deutschland sind der Studie zufolge der Regierungsbezirk Oberbayern und Hamburg, auf Ebene der Bundesländer Nordrhein-Westfalen, Bayern und Baden-Württemberg. "Auch Regionen mit starkem Mittelstand und Zuliefererbetrieben, die viel in die EU exportieren, sind Gewinner", sagte Dominic Ponattu, Mitautor der Studie. Am schwächsten seien die Effekte in ostdeutschen Ländern wie Brandenburg, Sachsen-Anhalt und Mecklenburg-Vorpommern. Dort ist die Zahl exportstarker Unternehmen geringer, die vom europäischen Handel profitieren.

Von dem freien Handel profitieren der Studie zufolge auch Nicht-Mitgliedstaaten. Die größten durchschnittlichen Einkommensgewinne pro Person und Land können demnach die Bürgerinnen und Bürger in der Schweiz (2.900 Euro) verbuchen, gefolgt von Luxemburg (2.800 Euro) und Irland (1.900 Euro). Aber auch Belgien, Österreich oder die Niederlande profitieren besonders stark. Der Süden und Osten Europas schneiden dagegen schlechter ab. "Für Länder wie beispielsweise die Niederlande oder Österreich ist der Binnenmarkt Gold wert, denn sie verfügen über wettbewerbsfähige Branchen, sind aber aufgrund kleiner Inlandsmärkte vom Export abhängig", sagte Studien-Co-Autor Ponattu.   

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In Großbritannien ermittelten die Wissenschaftler große Unterschiede zwischen den Regionen. Interessanterweise hätten auch solche für den EU-Austritt gestimmt, die am stärksten vom Binnenmarkt profitierten. "Dazu gehört etwa die südenglische Region Kent", sagte Ponattu. "Ein vollständiger Austritt der Briten aus dem Binnenmarkt würde neben dem Großraum London vor allem industrie- und innovationsstarke Regionen im Süden des Landes hart treffen."

Der EU-Binnenmarkt ist der größte Wirtschaftsraum der Welt. Er soll den freien Verkehr von Waren, Dienstleistungen, Personen und Kapital garantieren, wovon Unternehmen und rund 500 Millionen Verbraucher profitieren. "Nicht jeder profitiert gleichermaßen, aber alle gewinnen", sagte der Vorstandsvorsitzende der Bertelsmann Stiftung, Aart De Geus. Der Binnenmarkt sei "größter Treiber für unseren Wohlstand".